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100 Jahre Prohibition : Der Reiz des Verbotenen

Schade um den guten Tropfen: Weinfässer werden 1921 in Chicago massenweise geleert und der Inhalt in die Kanalisation geschüttet. Bild: Chicago Sun-Times/Chicago Daily News collection/Chicago History Museum/Getty Images

Schon die Prohibition vor hundert Jahren hat gezeigt: Mit Fruchtpunsch kommt man nicht weit, die Saufgelage verlagern sich nur. Ob das bei Corona-Regeln genauso ist?

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          Zu den Jubiläen, die – anders als hundert Jahre Bauhaus oder 250 Jahre Beethoven – still übergangen wurden, gehört der Jahrestag der Prohibition. Am 16. Januar 2020 hatte sich der Beginn des landesweiten Alkoholverbots in den Vereinigten Staaten zum hundertsten Mal gejährt, ohne dass von diesem Jubiläum größer Notiz genommen wurde.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Es hätte sich im Januar aber auch niemand vorstellen können, dass im Dezember des gleichen Jahres nicht nur alle Restaurants und Bars geschlossen, sondern auch der Verkauf von Alkoholika im öffentlichen Raum verboten wäre; dass die Kanzlerin sich beschweren würde, es werde „zu viel über Glühweinstände geredet“; dass an Silvester überhaupt kein Alkohol verkauft werden dürfte; und dass sich die Leute traurige Witze erzählen würden wie den, dass man früher, wenn man für den Kauf von fünf Wodkaflaschen schief angeschaut wurde, sagte, man sei kein Alkoholiker, man mache nur eine Party, dass man jetzt aber besser sage, man mache keine Party, man sei nur Alkoholiker. Und niemand hätte gedacht, dass die Leute sich in Berlin an den Ständen, die bis vor kurzem noch Glühwein im Angebot hatten, einen heißen Fruchtpunsch kaufen und dann heimlich den Inhalt eines Flachmanns hineinkippen würden, als wanderten sie durch das Amerika des Jahres 1920.

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