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Cambridge-Analytica-Affäre : Der Skandal, der (fast) keiner war

Spuckte großer Töne: Der frühere Chef von Cambridge Analytica, Alexander Nix. Bild: Reuters

Hat die Datenfirma Cambridge Analytica vor vier Jahren wirklich die Wahl für Trump in Amerika entschieden und den Brexit gewuppt? Die britische Datenchefin Elizabeth Denham weiß es.

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          Erinnern Sie sich noch an die Datenfirma Cambridge Analytica? Diese hat, nach eigenem Bekunden, die amerikanische Präsidentschaftswahl vor vier Jahren zugunsten von Donald Trump entschieden und für den Brexit gesorgt.

          So stellen es Vertreter und Kritiker der Firma dar. Die einen, wie der Mitgründer Alexander Nix, um Kunden zu locken. Die anderen, wie die ehemaligen Cambridge-Analytica-Mitarbeiter Christopher Wylie und Brittany Kaiser, um sich als Whistleblower zu vermarkten.

          Die Chefin der britischen Datenschutzbehörde ICO (Information Commissioner’s Office) Elizabeth Denham indes hat keinen Grund, den Skandal hoch- oder herunterzuspielen. Im Frühjahr 2018 hat ihre Behörde anhand von umfangreichen Durchsuchungen erst den Blick der Öffentlichkeit auf Cambridge Analytica gerichtet. Kurz darauf meldete die britische Datenfirma wie ihr amerikanisches Mutterunternehmen SCL Group (Strategic Communication Laboratories Group) Insolvenz an.

          Was ihr Wirken angeht, kommt die Datenschützerin Denham, wie sie auf Anfrage des Kulturausschusses des britischen Parlaments gerade noch einmal darlegte, zu einem nüchternen Schluss: Zwar hat Cambridge Analytica in großem Umfang mit Daten gedealt – von 130 Millionen angekauften Datensätzen ist die Rede, plus 87 Millionen Datensätze amerikanischer Wähler, illegal bei Facebook abgeschöpft. Zwar hat Cambridge Analytica mit Trumps Leuten zusammengearbeitet.

          Doch dürften die Datensammler weder die Wahl in den Vereinigten Staaten noch die Brexit-Abstimmung entschieden haben. Beim Brexit sei auch keine russische Einmischung festzustellen. Fraglich ist zudem, ob die von dem Wissenschaftler Alexandr Kogan, der für Cambridge Analytica illegal Daten besorgte, indem er Probanden vormachte, sie nähmen an einem wissenschaftlichen Projekt teil, verfolgte Methode der psychologischen Datenauswertung überhaupt aussagekräftig ist.

          Kogan sortiert Menschen dem sogenannten „Ocean“-Prinzip folgend fünf Kategorien zu (Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Geselligkeit, Empathie und emotionale Belastbarkeit) und glaubt, Datensätze zu Psychoprofilen verdichten zu können. 5000 Datenpunkte hatte Cambridge Analytica angeblich zu jedem erfassten Amerikaner, in Wahrheit waren es fünfzig bis 500.

          Dass in der Story von Cambridge Analytica viel heiße Luft steckte, macht Elizabeth Denham nun deutlich. Dennoch zeigt sie, dass es hier um etwas geht: Da sind Hunderte Millionen Datensätze unterwegs, zum Teil illegal erbeutet, und werden für politische Beeinflussung genutzt. Der Staat und die demokratischen Parteien seien herausgefordert, den Schutz der Daten ihrer Bürger zu gewährleisten, folgert Denham.

          Damit verweist sie auf die Megakonzerne, um deren Datenmacht es eigentlich geht: Facebook ließ die Leute von Cambridge Analytica machen. Dafür musste die Plattform 500.000 Pfund Strafe in Großbritannien und fünf Milliarden Dollar Strafe in den Vereinigten Staaten zahlen.

          Dass die Lektion gelernt sei, darf man nicht annehmen. Im Gegenteil: Gerade wendet sich Facebook gegen ein Projekt der New York University (NYU), in dessen Rahmen 6500 Freiwillige untersuchen, wie und an wen politische Werbung in dem Netzwerk adressiert wird. Dabei greifen sie auf Nutzerdaten zu. Das sei nach den Regeln des Konzerns nicht erlaubt, sagt Facebook. Gleichwohl will der Konzern den Zugriff bis zum Wahltag geschehen lassen. Glaubt wirklich irgendjemand, seine Daten seien bei Facebook (oder den anderen Datenkraken aus dem Silicon Valley) sicher?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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