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Die doppelten zwanziger Jahre : Das Jahrhundert und sein Double

Peter Kurth, der in der Serie „Babylon Berlin“ so aussieht, als wäre er ein Wiedergänger von Otto Wernicke aus Fritz Langs „M“. Bild: Sky

Fangen in zehn Tagen tatsächlich die zwanziger Jahre an? Haben sie jemals aufgehört? Und woran liegt es, dass die Gegenwart in der Welt von vor hundert Jahren ihre Kämpfe, Konflikte und Hoffnungen wiederzuerkennen glaubt?

          7 Min.

          Die Dekade, zu deren Anfang man noch das Motto „yes, we can“ nachhallen hörte, geht mit der Frage „how dare you?“ zu Ende, ein neues Jahrzehnt, für das wir keinen Namen haben, beginnt in zehn Tagen – und der Umstand, dass Kalenderspezialisten und Rechenkünstler darauf beharren, dass, weil es kein Jahr Null gab, das Jahr 2020 noch zur alten Dekade gehört, ändert, erstens, nichts an dem grundsätzlichen Namensproblem. Und ist, zweitens, auch nur für Kalenderexperten und Rechenkünstler relevant. Die inneren Uhren aller anderen sind so eingestellt, dass wir in der Silvesternacht in eine neue Dekade treten.

          Claudius Seidl

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Jahre, die jetzt zu Ende gehen, haben wir schlicht und sachlich die Zehner genannt. Die Jahre, die jetzt beginnen, müssten logischerweise die Zwanziger heißen. Und genau das ist leider nicht so einfach. Denn die zwanziger Jahre, das ist nicht bloß eine Kategorie der Kalender und des Dezimalsystems. Die zwanziger Jahre sind ein eingetragenes Warenzeichen, eine mächtige Marke, fast ein Mythos, zu dem geradezu untrennbar die Begriffe „wild“ und „golden“ gehören; im englischen Sprachraum waren sie „roaring“, also brüllend und tosend. Und „golden“ sowieso.

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