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Computerliebe : Endlich eine Frau, die mir nicht widerspricht

Knopfdruck genügt - und schon kann es mit dem „Echo“ losgehen. Bild: AP

Die Stimme aus dem Automaten klingt verführerisch. So verführerisch, dass manche sie mit einem Menschen verwechseln. Das zumindest sagt eine Untersuchung, die gefragt hat, was geschieht, wenn Amazons „Alexa“ spricht.

          Das letzte Siegel ist gebrochen: Nachdem die Maschinenseelen dem Menschen bereits das Schachspiel genommen haben (Dark Blue), darüber bestimmen, was wir wann einkaufen (Google, Apple, Facebook, Amazon, der Snack-Automat auf der zweiten Etage) und sich in die deutsche Politik einmischen (Christian Lindner), übertrumpfen sie den Menschen nun auch noch in seiner letzten ureigenen Bastion: der Partnerschaft.

          Das Kölner Rheingold Institut hat in zwanzig „tiefenpsychologischen Interviews“ Probanden im Alter zwischen zwanzig und 75 Jahren zu ihrer Beziehung zu Amazons Sprachassistentin „Alexa“ befragt. Zusätzlich hat man Erfahrungsberichte begeisterter Nutzer ausgewertet. Nun werde klar, wie sehr die Stimme aus Amazons lauschendem Sprachrohr „Echo“ an die „geheimen Sehnsüchte und Ängste“ der Nutzer rühre.

          Geht es nach den Tech-Konzernen, gehört das bald zur Grundausstattung in jedem Haushalt: Amazons „Echo“ in seiner ganzen Pracht.

          Das Institut zitiert einen befragten Rentner: „Ich musste 75 Jahre alt werden, um eine Frau zu finden, die mir nicht widerspricht.“ Womit auch gleich die Glaubwürdigkeit der Studie unterstrichen wäre. Sechs zentrale Erkenntnisse haben die Marktforscher aus den (Telefon-)Interviews gewonnen. So werte Alexa das Ego auf (man zähle zur „Technik-Avantgarde“), geriere sich als dienstbarer Geist mit unbegrenzter Wunscherfüllung („Allmacht“), sorge für Geborgenheit („Immer ist jemand da, der zuhört.“) und erfülle alle möglichen Qualitäten eines Partners („Haustier, Nanny, Mutter, Freundin, Coach, bezaubernde Jeannie“).

          Zwar fremdelt man ein wenig ob des Lauschangriffs, doch die (sprachliche) Überlegenheit gegenüber der unsichtbaren Partnerin mache das – zumeist – wieder wett. Doch wie immer, wenn es um den Partner geht, wiegt sich der Mensch auch bei „Alexa“ in einer trügerischen Sicherheit.

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          An dieser Stelle sei an eine Szene aus dem Film „Her“ (Spike Jonze, 2013) erinnert: Der bis über beide Ohren in seine Sprachassistentin Samantha (Stimme: Scarlett Johansson) verknallte Theodore (Joaquin Phoenix) fragt sie: „Sprichst Du mit jemand anderem, während wir sprechen?“ – „Ja“, sagt sie. „Sprichst Du in diesem Moment mit jemand anderem? Leuten, Betriebssystemen, was auch immer...?“ – „Ja“, sagt sie. „Wie vielen anderen?“ – „8316“ sagt sie. „Bist Du in jemand anderes verliebt?“ – „Warum fragst Du?“, fragt sie. „Ich weiß nicht. Und, bist Du?“ – „Ich habe schon darüber nachgedacht, wie ich mit Dir darüber reden soll“, sagt sie. „Wie viele andere?“ – „641“, sagt sie. So werden uns die Maschinen auch noch im Seitenspringen übertrumpfen.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

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