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Wohnungsbau : Warum sind unsere Städte so hässlich?

Alte Bausünden, hier ein Exemplar aus Schwalbach am Taunus, verschandeln viele deutsche Städte. Bild: Cornelia Sick

Deutschlands Städte könnten schöner, die Wohnungen erschwinglicher sein. Es müssten nur ein paar Regeln geändert werden.

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          Wenn über die Städte geredet wird, in denen wir leben, über ihre Hässlichkeit, über die Sterilität ihrer Fußgängerzonen, über die Tristesse der neuen Wohnimmobilien, in denen sich der Wille zur Profitmaximierung kaum hinter vorgeklebten Säulen und Balkönchen und hinter Namen wie „Prinzenresidenz“ oder „Kronprinzengärten“ verstecken kann, und, vor allem, über die Höhe der Mietpreise: Wenn also das Gespräch auf die Stadt von heute kommt, landet man schnell in einem Bermudadreieck der Schuldzuweisungen. Stadtplaner weisen darauf hin, dass die meisten Immobilien – und, bedingt durch den Ausverkauf staatlicher Liegenschaften in den neunziger Jahren, auch die innerstädtischen Grundstücke – in privater Hand sind und man wenig machen könne.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Investoren wiederum verweisen darauf, dass sie nicht der Arbeiter-Samariter-Bund und auch keine staatlichen Wohnungsbaugesellschaften seien, sich das Bauen für sie also rechnen müsse, und dass der Staat selbst durch Auflagen, Energieeffizienzstandards, Forderungen nach Barrierefreiheit bei öffentlichen Projekten die Kosten maßlos in die Höhe treibe und man schon deswegen zum Beispiel kaum noch bezahlbaren Wohnraum schaffen könne. Nach der soeben veröffentlichten Studie „Kostentreiber für den Wohnungsbau“ sollen neue Auflagen und Normen der öffentlichen Hand zu einer Kostensteigerung von 28,5 Prozent geführt haben.

          Gesellschaft ohne Geschmackserziehung

          Zu diesen gegenseitigen Vorwürfen kommen die rituellen Unkengesänge einer konservativen Kulturkritik, die sich damit begnügt, festzustellen, dass die heutige Stadt in ihrer optischen Zerfaserung und billigen Designo-Tristesse das Abbild einer Gesellschaft ohne ästhetischen common sense und ohne Geschmackserziehung sei. Die Lehre aus diesem Befund geht aber oft nicht über Versuche hinaus, den üblichen Investorenkisten ein paar nostalgische Zipfelmützen aufzusetzen, damit das Ganze wenigstens aus der Ferne nach alter Frankfurter Altstadt oder italienischem Borgo aussieht.

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          Aber deren Lebendigkeit, die sich ja nicht Dachformen, sondern einer massiven Verdichtung, dem Durch- und Übereinander von Wohnen und Arbeiten, Arm und Reich auf engem Raum verdankte, diese lebendige soziale Dichte, die der Kern der chaotischen Lebendigkeit der europäischen Stadt war, kommt durch solch nostalgische Kosmetikeingriffe nicht zurück. Was passiert, wenn ganze soziale Schichten aus dem Zentrum an die Ränder der Stadt und der Gesellschaft gedrängt und dort gettoisiert werden, sieht man an Paris: Das Zentrum wird zum für die meisten Einwohner unbezahlbaren Museum, die Banlieue zum Getto all derer, die sich das Leben intra muros nicht leisten können.

          Die Rückkehr des sozialen Wohnungsbaus

          Dass man in den meisten Großstädten Europas und Nordamerikas - anders als in Lateinamerika oder Afrika - dennoch einen neuen Mittelklassewagen auf der Straße stehen lassen kann, ohne dass dem Fahrer an der ersten roten Ampel eine Waffe an den Kopf gehalten wird, liegt auch an einer sozialen Marktwirtschaft, die unter anderem sorgloses Wohnen als Grundpfeiler gesellschaftlicher Stabilität erkannt hatte. Dass das europäische Zivilisationsmodell auch auf der Wohnfrage beruht und mit ihr steht und fällt, ist eine Botschaft, die mittlerweile die Politik erreicht hat. Deswegen werden jetzt, nach Jahren des Rückzugs aus dem sozialen Wohnungsbau, Hunderte von Millionen ausgegeben. Der soziale Wohnungsbau soll wiederbelebt werden, in Deutschland werden die Länder dafür bis Ende 2019 mit jährlich 518 Millionen Euro unterstützt. Allein in Berlin sollen etwa bis 2030 jährlich 13 000 Wohnungen aus dem Boden gestampft werden.

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