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Realitätsflucht : Katastrophe und Kino

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Im Kino können wir Krisen zuschauen, die uns nicht unmittelbar betreffen. Bild: dpa

Wer sich in Zeiten von Krisen und Not den verlorenen Alltag zurückwünscht, sehnt sich zugleich nach der Traumflucht aus ihm.

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          Im Frankfurter Filmmuseum hat am 14. Juli eine Ausstellung namens „Katastrophe“ eröffnet, deren zeitliches Zusammentreffen mit Flut, Hitzewellen und anderen extremen Naturereignissen leicht als Einladung zu abgeschmackten Erörterungen über Korrespondenzen zwischen Populärkunst und Wirklichkeit missverstanden werden könnte.

          In Wahrheit ist der Weltuntergangsfilm, dessen Geschichte die Ausstellung darstellt und mit realen Szenarien sowie deren wissenschaftlicher Projektion konfrontiert, ein ungeeigneter Aufhänger für Überlegungen zur Lage. Denn selbst die kenntnisreichste Motivgeschichte künstlerischer Bilder großer Zusammenbrüche, vor denen sich Leute mit Genuss gruseln, birgt kaum Auskünfte über das, was im Ernstfall hilft, schützt und rettet. Es gibt freilich durchaus einen Zusammenhang zwischen der Kunst, die uns überwältigt, und der Not, die uns überfordert. Der ist bloß kein plump thematischer, sondern ein sozialer – zwischen einerseits dem Zwang zum Handeln und andererseits der Freiheit zum (manchmal bösen) Traum. Die deutschen Kinos sind nach langer Zeit wieder geöffnet. Mit Cannes hat soeben ein internationales Filmfestival eine (wenngleich stark eingeschränkte) Art Normalbetrieb gewagt. Die Belegungszahlen hiesiger Spielstätten sind derweil besser als letztes Jahr nach dem ersten Lockdown. Hat der Abspann zur akuten Kinokrise also begonnen?

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