https://www.faz.net/-gqz-9v2rj

Osteuropa : Eiserner Vorhang im Kopf

Beginnt „der Osten“ schon in Prag? Bild: dpa

Den Osten schnippt man sich von der Jacke: Die Länder des einstigen „Ostblocks“ sind für uns eine Terra incognita geblieben. Dabei gibt es dort viel zu entdecken.

          5 Min.

          Manchmal dauere es etwas länger, schreibt die Universität Augsburg auf Anfrage, weshalb für sie der Ostblock erst kurz vor dem jüngsten Jahreswechsel aufgehört hat zu existieren. Sein bemerkenswert langes Leben verdankte er den Forschungsrichtlinien an der Philologisch-Historischen Fakultät. Nach ihnen waren Reisen in den „Ostblock“ gesondert bewilligungspflichtig. Nun, fast dreißig Jahre nach der Auflösung des Warschauer Paktes, teilt die Universität aber mit: „Die Formulierung zum Ostblock ist längst obsolet und der aktuellen politischen Lage nicht mehr entsprechend.“

          Doch gerade in Augsburg, wo der Ostblock jetzt seinen begrifflichen Tod stirbt, wurde er einst äußerst drastisch zum Feindbild stilisiert. 1955 sprach der damalige Bundesaußenminister Heinrich von Brentano in der Fuggerstadt zum tausendjährigen Gedenken an die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955, in der ein fränkisch-deutsches Heer die magyarischen Reiter besiegte. Brentano machte eine „deutliche Parallele“ zur Gegenwart aus und sagte: „Damals standen vor den Toren des Abendlandes, vor den Toren dieser Stadt, in der wir weilen, die heidnischen Nomadenscharen des Ostens; Verderben und Untergang drohten. Jetzt stehen wiederum, nicht sehr viel weiter von dieser Stadt entfernt, die Massen des Ostens.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          „Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun“, schrieb Drosten über die Anfrage der „Bild“

          „Bild“ gegen Drosten : Die versuchte Vernichtung

          Die Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten legt vor allem eines offen: Das Desinteresse vieler an den Fakten für eine angemessene Pandemie-Politik.
          Ein Arbeiter in der mexikanischen Stadt Ecapetec reinigt eine Trage nach der Einäscherung eines Corona-Toten.

          Corona in Mexiko : Sehenden Auges in die Katastrophe

          In Mexiko steigt die Zahl der Corona-Toten weiter, und der Gesundheitsminister selbst gesteht ein, dass die offiziellen Infiziertenzahlen zu niedrig sind. Doch der Präsident strebt Lockerungen an.
          Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde in Berlin

          Bedrohung durch Euthanasie : Zorn, der nicht vergeht

          In letzter Zeit muss ich häufig an meinen Großonkel Hermann und seine Wutanfälle denken. Warum wir sehr vorsichtig sein sollten, wenn wir über den Wert des Lebens reden. Ein Gastbeitrag.