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: Warum ich für den Irak-Krieg bin

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Existiert Europa als vielköpfiges und denkendes Subjekt, als eine nach den eigenen Werten suchende Dialoggemeinschaft? Es hängt davon ab, wie wir uns selbst sehen oder sehen wollen und hinsichtlich welcher Errungenschaften der Geschichte und des Geistes wir übereinstimmen.

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          Existiert Europa als vielköpfiges und denkendes Subjekt, als eine nach den eigenen Werten suchende Dialoggemeinschaft? Es hängt davon ab, wie wir uns selbst sehen oder sehen wollen und hinsichtlich welcher Errungenschaften der Geschichte und des Geistes wir übereinstimmen. Dürfen wir die freiwillige Assoziierung der europäischen Nationalstaaten als eine neuartige politische Nation betrachten? Wir alle lernen jetzt, was es eigentlich bedeutet, Bürger einer entstehenden, sensiblen und komplizierten Republik zu sein.

          Da die Zahl derer zunimmt, die zur Europäischen Union gehören möchten, liegt die Frage auf der Hand, ob es für dieses Wachstum prinzipielle Grenzen gibt. Könnte kulturelle und religiöse Distanz eine solche Grenze sein, auch wenn die bekannten Beitrittskriterien erfüllt sein sollten? Wie soll sich die Gründerfamilie gegenüber Gemeinschaften verhalten, die sich zu verfassungsgemäßen Prinzipien bekennen, die sich von anderen Kulturen herleiten und die westlichen Prinzipien von unveräußerlicher Freiheit und Würde des einzelnen verunsichern, mit anderen Worten: die politische Demokratie? Wird die ausgelieferte Peripherie vom stärkeren Zentrum als denkender Partner oder eher als untergeordneter Trabant betrachtet? Inwieweit sind die Europäer fähig, trotz Vielsprachigkeit und des Mangels an Wissen über die Nachbarn füreinander Verständnis aufzubringen?

          Diesen Text schreibe ich am 19. Februar 2003 am Ufer der Donau und nicht der Spree, während im Nahen Osten zum Krieg gerüstet wird. Die Verkettung meiner bisherigen Konflikte, Solidaritäten und Lehren erklären die Motivationen für meine Haltung. Ich bin einer von jenen vielen Millionen Europäern, die an der Schwelle zur Union stehen und deshalb zu Bescheidenheit verpflichtet sind.

          Woran wir uns jedoch erinnern, daran erinnern wir uns, und das können und wollen wir selbst um der Anstandsregeln der neuen Mitgliedschaft willen nicht vergessen. Daß der Westen nicht in zwei Teile, nicht in zwei sich entfremdende demokratische Bündnisse zerfällt, daran besitzen die kleineren Nationen östlich von Deutschland und westlich von Rußland, doch vermutlich auch die Russen selbst ein echtes Interesse.

          Die beiden Weltkriege resultierten daraus, daß Europa durch zwei Bündnisse gespalten worden ist und daß sich die westlich von Budapest erstreckende und im Vergleich zur unseren entwickeltere, jedoch nicht allzu große europäische Region gegensätzlichen Weltanschauungen und politischen Richtungen verschrieben hatte und auch uns darauf festlegen wollte. 1940 blickten die Demokraten Mittel- und Osteuropas über Wien und Berlin hinaus zu den angelsächsischen Verbündeten, in deren Ländern unsere nach Freiheit strebenden Emigranten Fuß fassen konnten, da die überwiegende Mehrheit der Deutschen dem Nazismus huldigte und auch die Masse der Franzosen damit zurechtkam. Wir sind der Überzeugung, daß die atlantische Solidarität für den föderalen Bestand der Demokratien unentbehrlich ist. Wer hierzulande vergnüglich die Amerikaner schmäht, bringt Europa an den Rand des Abgrunds, wer auf der anderen Seite des Atlantiks vergnüglich die Europäer schmäht, der macht Amerika dumm.

          Ein transatlantischer Ehekrach

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