https://www.faz.net/-gqz-8k428

Restaurants und ihre Namen : Zur Buchstabensuppe

Auch ein sehr guter Name für ein Restaurant: „Restaurant“. Bild: Picture-Alliance

Richtige Gerichte oder richtige Geschichte? Warum Restaurants sich neuerdings so viel Mühe geben, entweder wie ironische Anwaltskanzleien oder nach gar nichts zu heißen.

          1 Min.

          Manche Dinge – Platten, Bands, Bücher, Autoren – mag man oft allein deswegen, wie sie heißen. Chimamanda Ngozi Adichie zum Beispiel. Oder „Tauben im Gras“. Und eine Platte „Steve McQueen“ zu nennen, wie es Prefab Sprout einmal taten – wie könnten die Songs darauf nicht wunderschön sein?

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ganz anderes Beispiel: „Hairway to Steven“. Das ist einerseits poetischer als das Original, auf das es anspielt, „Stairway to Heaven“, andererseits macht der Bandname dazu (Butthole Surfers) den Effekt durch akuten Punkpubertismus dann leider sofort wieder zunichte.

          Bei Restaurants ist es ähnlich. Dem „Nobelhart & Schmutzig“ rennen sie ja grade die Tür ein in Berlin. Das klingt nur derartig erfunden, egal wie es schmeckt – dann lieber gleich die höhere Rätselhaftigkeit vom „Fichtekränzi“ (Frankfurt), „Zum Gulden Stern“ (Nürnberg) oder, unübertroffen, vom „Schnapperwirt“ am Schliersee. Oder gleich alles mit Apostroph, wo er nicht hingehört. Solange die Bratwurst gut ist, muss der Koch ja kein Schönschreiber sein.

          Seit einiger Zeit aber scheint es nicht mehr ohne Geschichtsschreibung zu gehen bei Restaurants und Feinkost. Allein in Berlin gibt es die „Butterhandlung“, die „Fleischhandlung“ und die „Essenhandlung“ (da wäre, anders als bei „Udo’s Brutzelstube“, ein s zu wenig statt zu viel). Auf die „Ersatzhandlung“ (vegane Burger) oder die total naheliegende „Gerichtsverhandlung“ (Entschuldigung) ist noch keiner gekommen – aber sicher steht in diesem Augenblick irgendwo ein Unternehmensberater auf, der was Neues machen will in seinem Leben und denkt, die Welt brauche dringend noch ein Feinkostgeschäft in der strengen Sortiertheit einer Mönchszelle, wo es nur Wollschweinsalami aus Bodenwerda gibt – und eröffnet genau so eine Handlung in einem Innenstadtviertel in Ihrer Nähe und nennt sie so.

          Die Wahl zwischen einer „Trattoria Gigante“ (Düsseldorf, Inhaber Leo Gigante) und einem Restaurant, das klingt wie eine ironische Anwaltskanzlei, fällt jedenfalls leicht. Der edlen Einfalt und stillen Größe, die einem die „Handlung“ vormachen will, steht der Ehrgeiz im Weg, den so ein Name verrät. Und überhaupt, wenn man mal zum Griechen gehen will, sollte man einfach „Zum Griechen“ (Bayreuth) gehen. Er heißt überall so, nicht nur dort, und immer schon.

          Weitere Themen

          Der Maler der Lücke

          A.R. Penck in Dresden : Der Maler der Lücke

          Das Albertinum Dresden zeigt unbekanntere Seiten des Künstlers A.R. Penck. Gezeichnet wird das Bild eines jungen Mannes, der sein Können zurückhielt, um im Strom der Ideen zu treiben.

          550.000 Euro für eine Mona Lisa-Kopie Video-Seite öffnen

          Versteigerung zum Spitzenpreis : 550.000 Euro für eine Mona Lisa-Kopie

          In Paris ist eine Kopie des berühmten Gemäldes von Leonardo da Vinci für einen Spitzenpreis verkauft worden. Das Bild wurde im 17. Jahrhundert von einem unbekannten Künstler gemalt. Es gleicht dem Original bis auf wenige Details, ist aber etwas größer.

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.