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Identität aus der Küche : Man ist, was man isst

Ob Spaghetti, Döner oder Hummus: Jede Kultur hat gutes Essen zu bieten und beansprucht dessen Herkunft für sich selbst. Bild: dpa

Seit Jahrhunderten kochen wir nicht mehr nur, um satt zu werden. Essen ist emotional. Ein Teil unserer Identität. Heimat. Das heißt jedoch nicht, dass sich daraus kulturelle und territoriale Ansprüche ergeben.

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          Es mag Leute geben, für die ist Essen schlicht Kalorienzufuhr. Etwas, das man tun muss, um am Ende des Tages noch auf den Beinen zu sein, um Dinge zu erledigen, die wichtiger sind als ein Teller Nudeln. Menschen, die so denken, kämen im Leben nicht auf die Idee, Stunden in der Küche zu verbringen, um etwas zuzubereiten, was in einem Bruchteil der Zubereitungszeit in Mündern und Mägen verschwindet.

          Für alle anderen ist Essen, sind bestimmte Gerichte eine emotionale Angelegenheit. Das merkte man auch in diesem Jahr, als sehr viele Leute – zumindest diejenigen, die das Privileg hatten, im Homeoffice arbeiten zu können – offenbar gar nicht genug bekommen konnten vom Kochen und Backen. Das mag natürlich mit Zeit und geschlossenen Restaurants zu tun haben. Wie sonst sollte man all die Abende und leeren Wochenenden füllen, wenn nicht mit Gemüseschneiden und Teigkneten? Aber das ist wahrscheinlich nur ein Teil der Wahrheit. Vermutlich kochten viele Leute auch, um sich in diesen unsicheren Zeiten etwas Gutes zu tun, es sich gemütlich zu machen. Essen und Kochen gaben ihnen ein Gefühl von Ruhe. Das ist nicht erst seit der Pandemie so. Schon seit Jahrhunderten dient Essen nicht allein der Nahrungsaufnahme, sondern versichert uns unserer Zugehörigkeit – zu einer Familie, einer Gesellschaft oder einem Ort.

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