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Francos Grab : Die Wunden waren nie geschlossen

Die neue letzte Ruhestätte des Diktators: Der Friedhof von Mingorrubio-El Pardo Bild: Reuters

Manchmal sind symbolische Akte tatsächlich vonnöten: Die sterblichen Überreste des spanischen Diktators Francisco Franco liegen jetzt auf einem ganz normalen Friedhof am Rande von Madrid.

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          Die sterblichen Überreste des spanischen Diktators Francisco Franco ruhen jetzt auf einem Friedhof am Stadtrand von Madrid. Der Körper des Mannes, der Spanien in einen Bürgerkrieg trieb und zwischen 1939 und 1975 mit eiserner Hand regierte, Oppositionelle einkerkern oder liquidieren ließ und auch dann noch eine der wenigen europäischen Rechtsdiktaturen am Leben erhielt, als sich andere Nationen längst um eine Gemeinschaft demokratisch verfasster Staaten in Europa bemühten – dieser Körper verwandelt sich mit der Umbettung von einer nationalen Identifikationsfigur in eine Privatangelegenheit seiner Familie.

          Soweit der Körper; mit dem Geist ist es so eine Sache. Als Gralshüter des Franquismus hat sich die Familie des „Caudillo“ erbittert gegen die Umbettung gewehrt, doch glücklicherweise blieben ihre Manöver erfolglos. Mit dem mutigen Schritt der Sánchez-Regierung endet eine peinliche Anomalie, die in vierzig Jahren spanischer Demokratie unangetastet geblieben war: dass die faschistische Weihestätte mit dem pathetischen Namen „Tal der Gefallenen“ (in Wahrheit ein Berg, kein Tal) nicht mehr ganz so beleidigend für die Angehörigen derer ist, die dort als politische Gefangene einen Teil ihrer Haftstrafe abbüßten.

          Das Heikle der Entscheidung

          Insofern halten die Kamerabilder der Verlegung einen historischen Augenblick fest: Spanien trennt sich von einem weiteren Stück seiner umkämpften Geschichte und entlässt den Leichnam des Diktators, der in der tunnelartigen Basilika gleich hinter dem Altar unter einer Grabplatte lag, aus seiner von Mythenseligkeit, Nostalgie und antidemokratischem Ressentiment genährten Rolle. Es ist erst gut zehn Jahre her, dass Ministerpräsident Zapatero die faschistischen Kundgebungen im „Tal der Gefallenen“ am Todestag des Diktators verbieten ließ und damit die Wut der Franco-Anhänger heraufbeschwor. In denselben Jahren ließ Zapatero ein Reiterstandbild des Diktators aus dem Stadtzentrum Madrids entfernen, und dass es nachts um zwei Uhr geschah, verrät, dass ihm das Heikle der Entscheidung bewusst war.

          Auch die vom Parlament 2018 beschlossene Umbettung des Leichnams stieß in konservativen Kreisen auf heftige Kritik; bezeichnenderweise hatte sich die Volkspartei (PP) des ehemaligen Ministerpräsidenten Rajoy der Stimme enthalten. Doch das gebetsmühlenartig wiederholte Argument, die sozialistische Regierung reiße „alte Wunden auf“, entbehrt jeder Grundlage – sachlich, historisch, politisch. Denn diese Wunden, sie waren nie geschlossen.

          Friedlich liegt das „Tal der Gefallenen“ da, Gottesdienste zu Ehren des „Generalísimo“ eingeschlossen, und darf bis heute in Wort, Bild und Symbolik die Werte des ranzigen Nationalkatholizismus verbreiten, der so viel Unfreiheit über das Land gebracht hat. Mit einem gewissen Zynismus beutet der Staat den Schauwert des pittoresken Franco-Mausoleums aus, sekundiert von der Kirche, die Francos Putsch 1936 von Anfang an mittrug. Nein, manchmal sind symbolische Akte tatsächlich vonnöten, manchmal müssen Namensänderungen sein, manchmal muss ein Leichnam verlegt werden – nicht, um die Geschichte umzuschreiben oder eine Figur daraus zu tilgen, aber sehr wohl, um den Jüngeren zu zeigen, wie Geschichte in der Erinnerung fortleben soll.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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