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Historiker als Platzhirsche : Die Kunst des Mitredens

  • -Aktualisiert am

Major a.D. von Neufville, Joseph Goebbels und Kronprinz Wilhelm von Preußen (von links nach rechts) beim Polizeisportfest 1933 in Berlin. Bild: picture-alliance / dpa

In zeitgeschichtlichen Debatten darf es keinerlei Zugangsbeschränkungen geben. Ein Zwischenruf zum anhaltenden Historikerstreit um die Hohenzollern im Nationalsozialismus.

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          In dem vor drei Monaten erschienenen Band „Die Hohenzollerndebatte“ stellt der Althistoriker Uwe Walter die Frage, aus welcher fachlichen Kompetenz heraus die „Mediävistin und Spezialistin für mittelalterliche Klöster“ Eva Schlotheuber den Forschungsstand in einer zeitgeschichtlichen Sachfrage „dekretiert“. Und der Herausgeber Frank-Lothar Kroll stellt fest, der Historikerverband besitze kein „politisches Mandat“, folglich gehöre es auch nicht zu seinen Aufgaben, in die Hohenzollerndebatte beziehungsweise in laufende Rechtsstreitigkeiten einzugreifen. Bei diesem Rechtsstreit geht es darum, ob eine „erhebliche Vorschubleistung“ zum Aufstieg des Nationalsozialismus durch den Ex-Kronprinzen Wilhelm von Preußen seinen Urenkel Georg Friedrich von einer Entschädigung für enteignete Besitztümer auf dem Gebiet der sowjetisch besetzten Zone ausschließt. Beide Fragen verdienen eine Antwort, auch weil sie eine wichtige generelle Frage berühren: Wer darf mitreden in einer Fachdebatte?

          Uwe Walter kritisiert scharf die Feststellung von Eckart Conze und mir, dass es in der nationalen und internationalen Forschung einen breiten Konsens über die Nähe des Ex-Kronprinzen Wilhelm zum Nationalsozialismus gibt, dessen Machtübernahme er im Kampf gegen die junge Weimarer Demokratie nach Kräften gefördert hat. Das trifft nach intensiven Debatten und dem Erscheinen zweier Monographien von Stephan Malinowski und Lothar Machtan heute vielleicht noch mehr zu als vor eineinhalb Jahren. Auch die von Georg Friedrich Prinz von Preußen unterstützte Darstellung von Lothar Machtan arbeitet eindrucksvoll die intensiven Bemühungen des Ex-Kronprinzen um Hitler und seinen Machtzirkel und sein zähes Festhalten am Nationalsozialismus selbst nach seiner politischen Kaltstellung heraus.

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