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Löwenstein, Stephan (löw.)

Kritik an „heute-show“ : Gulaschkanone

Oliver Welke im Studio der „heute-show“ Bild: dpa

Die „heute-show“ im ZDF ist angeblich Satire. Doch sie macht Politik, etwa mit dem Kommentar, Polen und Ungarn sollten aus der EU fliegen. Ungarn reagiert.

          2 Min.

          Satire ist, so definiert es etwa der Duden, eine Kunstgattung, die durch Übertreibung, Ironie und (beißenden) Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt. Die hauptamtliche Satiresendung des ZDF, Oliver Welkes „heute-show“, fasst das gerne mal so auf, dass Kommentatoren ihre politische Meinung ungefiltert herauspöbeln. Unflätige Vokabeln und persönliche Beschimpfungen sollen offenbar den Kommentar ins Genre der Satire heben, von Ironie keine Spur, aber wenigstens Übertreibung.

          Über ein solches Elaborat hat sich jetzt der Regierungssprecher des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán echauffiert. Zoltán Kovács, selbst kein Kind von Traurigkeit, ließ sich dabei zu einem anderen Kunstgriff hinreißen, der Aufmerksamkeit garantiert: dem fragwürdigen historischen Vergleich. Im „deutschen Staatsfernsehen“, schreibt Kovács, sei man „komplett indoktriniert“ und verbreite „arrogant und böswillig eine herabwürdigende Karikatur des ungarischen Ministerpräsidenten“. Humor und Satire hätten ihren Platz, würden aber falsche, unfaire Informationen verbreitet, sei eine Grenze überschritten. „Ich erinnere an andere Zeiten, als Deutsche sich für überlegen gehalten haben und auf den Rest der Welt heruntergeschaut haben. Das ging nicht so gut aus.“

          Vorwurf an das deutsche „Staatsfernsehen“

          Es geht um einen Einspieler der jüngsten „heute-show“ zum ungarischen und polnischen Veto gegen den EU-Haushalt, das eingelegt wurde, weil die beiden Regierungen den Rechtsstaatlichkeitsmechanismus als willkürliches politisches Druckmittel ansehen. Also sprach Welkes Kommentatorin: Was der „ungarische Gulasch mit Ohren“ und sein „polnischer Gangster-Kollege“ mit der Europäischen Union anstellten, sei „einfach nur zum Kotzen“. Die anderen EU-Regierungschefs sollten auf keinen Fall nachgeben, denn in Ungarn würden kritische Medien eingeschüchtert und in Polen unabhängige Gerichte sowie das Recht auf Abtreibung abgeschafft. Das gehe zu weit: Die EU solle neu gegründet werden „ohne die bekloppten Polen und Ungarn“.

          Nun lässt sich zweifellos einiges dazu anmerken, wie regierungskritische Medien in Ungarn von der Bildfläche verschwunden oder „umgedreht“ worden sind. Wenngleich es weiterhin einige gibt, die sich gegen alle Widerstände behaupten oder neu gegründet wurden. Besonders kann man darauf hinweisen, dass die öffentlich-rechtlichen Medien zu regierungsfrommen Organen degradiert wurden, die alles in Orbáns Sinne interpretieren. Nun dreht dessen Sprecher den Spieß um und richtet diesen Vorwurf an das deutsche „Staatsfernsehen“. Schwer hat ihm das ZDF dies nicht gemacht. Satire kann, wie Klaus Zehrer in seiner „Dialektik der Satire“ schrieb, eingeschliffene Denkgewohnheiten umkrempeln, Selbstgewissheiten in Frage stellen, neue Sichtweisen eröffnen. Die „heute-show“ macht allzu oft das Gegenteil: Denkgewohnheiten einschleifen, Selbstgewissheiten wärmen, Sichtweisen verfestigen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

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