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Gesichter erkennen : Wir sehen doch alle gleich aus

Wer ist wer? Die Musical.ly- und Social-Media-Stars Lisa (links) und Lena (rechts) Bild: dpa

Immer mehr Menschen blicken einander immer seltener an; die Fähigkeit, im Gesicht des Gegenübers zu lesen, schwindet. Der Grund dafür liegt auf der Hand.

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          Der Fall ist schon kurios: Die Berliner Ausländerbehörde ließ sich zwischen 2015 und 2017 etwa zweihundert Mal von einer abgebrühten Bande hinters Licht führen, die mit Hilfe gefälschter Dokumente und fingierter Ehen Nigerianern eine sogenannte EU-Aufenthaltskarte beschaffte. Besonders dreist war, dass ein und dieselbe Person, eine Portugiesin, offenbar siebenmal unverdrossen bei der Behörde vorstellig wurde und einen Antrag für ihren Mann aus Nigeria stellte. Sie tat das natürlich unter jeweils anderem Namen, aber natürlich immer mit demselben Gesicht, das sich offenbar niemand gemerkt hatte.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Welcher Mitarbeiter aber kann sich die Gesichter, in die er täglich blickt, schon einprägen? Beim Blick in fremdländische Gesichter gibt man sich ohnehin weniger Mühe. Man denke nur an Asiaten, von denen manche Europäer meinen, die sähen doch alle gleich aus, was vor allem daran liegt, dass unser Auge an das Asiatische einfach nicht so gewöhnt ist, weshalb der Reflex, alle in einen Topf zu werfen, greift: der Other-Race-Effekt. Der wurde bei verschiedenen Gruppen jeweils in beide Richtungen nachgewiesen: Europäer sehen für Asiaten demnach auch alle irgendwie gleich aus.

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