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Antisemitismusbeauftragter : Er ist unser Wächter

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Felix Klein, Sonderbeauftragter für Beziehungen zu jüdischen Organisationen und Antisemitismusfragen im Auswärtigen Amt Bild: Helmut Fricke

Felix Klein muss bleiben. Die Forderung, ihn von seiner Position abzuberufen, sehen wir als Aufforderung, im Kampf gegen Antisemitismus nachlässig zu werden. Ein Appell von Lea Rosh.

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          Wir leben in einer Zeit stark zunehmender antisemitischer Angriffe auf jüdische Mitbürger. Der Mordanschlag auf die Synagoge von Halle am Jom-Kippur-Tag im Oktober 2019 hat überdeutlich gezeigt, wie fließend die Übergänge von verbalen Attacken zu brutalster Gewalt sein können. Angesichts dieser Erfahrungen sind wir sehr dankbar, dass neben den meisten Bundesländern auch die Bundesregierung die Position des Antisemitismusbeauftragten geschaffen und 2018 mit Felix Klein besetzt hat. Er hat viele Jahre Erfahrung im deutsch-jüdischen Dialog und genau das unbeirrbare Engagement, das für diese Aufgabe erforderlich ist.

          Die Forderung, Felix Klein von seiner Position abzuberufen, sehen wir implizit als Aufforderung an den deutschen Staat und die deutsche Gesellschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaute Kultur der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden ad acta zu legen und im Kampf gegen Antisemitismus nachlässig und beliebig zu werden. Wir aber brauchen die erarbeiteten Netzwerke der Erinnerungskultur ebenso wie unseren obersten „Schrankenwärter“ gegen den Antisemitismus (ein Begriff, den Stephan Detjen in seinem Beitrag im Deutschlandfunk vom 23. Mai diffamierend gebrauchte). Wir weisen die Behauptungen und Verleumdungen zurück, dass Felix Klein seine Verantwortung nutze, um kritische Positionen zur aktuellen Politik der israelischen Regierung zu unterdrücken.

          Voller Sorge verfolgen wir die feindselige Sprache in den medialen Kontroversen der vergangenen Wochen. Wir können und wollen nicht Stellung beziehen zu den wissenschaftlichen Hintergründen der verschiedenen Beiträge. Wir haben aber den Eindruck, dass das deutsche Lernen aus der Geschichte, unser Eintreten für das Existenzrecht Israels und unser Engagement gegen Judenfeindlichkeit in Stellung gebracht wird gegen die Leidenserfahrungen der afrikanischen und arabischen Völker durch Kolonialismus und postkoloniale Entmündigung, Ausbeutung und europäischen Rassismus. Das darf aber nicht sein. Denn die Sorge um das Existenzrecht des palästinensischen Volkes und den sich wieder zuspitzenden Nahost-Konflikt teilen wir. Auch wir sehen die Entwicklungen in der Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern sehr kritisch, insbesondere die jüngsten Annexionspläne der israelischen Regierung. Wir werben bei allen Beteiligten dafür, sich gleichermaßen für die Eindämmung von Antisemitismus wie für die Entspannung der israelisch-palästinensischen Beziehungen einzusetzen.

          Lea Rosh ist Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

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