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Walser-Debatte : Marcel Reich-Ranicki: „Niedriges literarisches Niveau“

  • Aktualisiert am

Marcel Reich-Ranicki hält nichts vom neuen Walser-Roman und findet: „Frank Schirrmacher hat das Nötige gesagt“.

          In den Streit um den noch unveröffentlichten Roman von Martin Walser hat sich jetzt auch Marcel Reich-Ranicki eingemischt. „Walser hat noch nie so ein erbärmliches Buch geschrieben“, sagt der Kritiker. Er fühle sich als „Betroffener“ und werfe Walser vor, „leicht erkennbare Personen lächerlich zu machen und teilweise zu denunzieren“.

          Reich-Ranicki hält die Entscheidung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ für richtig, das Buch nicht abzudrucken. F.A.Z.-Mitherausgeber Frank Schirrmacher habe in seinem offenen Brief an Walser „das Nötige klar gesagt“, meinte der Kritiker.

          Nach Auffassung Schirrmachers und des F.A.Z.-Feuilletons geht es in dem Roman „nicht um die Ermordung des Kritikers als Kritiker (...). Es geht um den Mord an einem Juden.“ Zu der Frage nach antisemitischen Untertönen in Walsers Roman wollte Reich-Ranicki sich nicht äußern, und er begründet das damit, dass er „schließlich der Betroffene“ sei.

          Suhrkamp gibt Manuskript an Kritiker vorab heraus

          Der Frankfurter Suhrkamp Verlag warf der F.A.Z. vor, den Roman verfrüht an den Pranger gestellt zu haben. „Es wäre angemessener gewesen, die notwendige Diskussion um den Roman dann zu eröffnen, wenn alle ihn in Händen halten können“, sagte Verlagsleiter Günter Berg. Das Buch soll nun voraussichtlich im Juni statt wie geplant im August erscheinen, wie eine Suhrkamp-Sprecherin ankündigte. Der Text werde derzeit Korrektur gelesen. Der Verlag gibt das etwa 160-seitige Manuskript mittlerweile an interessierte Medien heraus, „um den gleichen Informationsstand zu ermöglichen“. Es seien bereits weit über 100 Anfragen eingegangen.

          Der Kritiker erkennt sich wieder

          Der Kritiker Reich-Ranicki hat in Walsers Buch mehrere seiner Äußerungen wiedererkannt, und auch Walser bestätigte unterdessen in Interviews, dass Reich-Ranicki das Vorbild für die literarische Figur André Ehrl-König sei. Reich-Ranicki zeigt sich enttäuscht von Walser: „Ich habe viele Bücher von ihm gelobt und Jahrzehnte lang an sein Talent und seine Redlichkeit geglaubt“, versichert er. Bei der Lektüre des Romans mit dem Titel „Tod eines Kritikers“ habe er keine Wut, sondern Mitleid verspürt. „Walser stellt sich wieder einmal als Opfer dar.“ Ein Gespräch mit Walser lehnt Reich-Ranicki ab: „Ich halte nichts davon, dass mir ein Autor sein Werk erklärt. Der Text muss für sich selbst stehen.“ Besprechen wolle er es auch nicht, weil das literarische Niveau zu niedrig sei.

          Lunkewitz: Walser provoziert gezielt

          Aufbau-Verleger Bernd Lunkewitz wirft Walser vor, mit dem Manuskript gezielt einen verkaufsfördernden Eklat für sein neues Buch provoziert zu haben. „Das war Kalkül des Autors“, sagte Lunkewitz. Walsers Taktik der „gezielten Regelverstöße“ sei ein Marketingtrick, um die Auflage in die Höhe zu treiben.

          „Die ganze Story schmeckt nach Judenfeindschaft“, meint Lunkewitz. Ohne Eklat würden von dem Buch vielleicht 5.000 Exemplare verkaufen werden, sagte Lunkewitz, „jetzt kann Walser mit 100.000 Exemplaren und mehr rechnen“.

          Der Verleger sagte, bei stillschweigender Ablehnung des Romanvorabdrucks durch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wäre schnell von einer „jüdischen Lobby“ die Rede gewesen, die das Buch habe verhindern wollen. Deshalb sei die Entscheidung der F.A.Z., den Abdruck in einem offenen Brief des Herausgebers Frank Schirrmacher wegen „antisemitischer Klischees“ in dem Buch abzulehnen, richtig gewesen, sagte Lunkewitz.

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