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Wahlkampf in Vereinigten Staaten : Unsere Ivanka, unser Amerika

  • -Aktualisiert am

Tochter Ivanka mit Vater Donald, für den sie schon als Vize-Präsidentin arbeitet - in seinem Immobilien-Imperium. Bild: Imago

Was Donald Trump über illegale Latinos denkt, ist klar. Seine Tochter und viele andere beschäftigen sie. Die kleine Geschichte einer kolumbianisch-amerikanischen Großfamilie.

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          Für die Familie ist sie „Ivanka“. Nicht „Ivanka Trump“, nicht „Frau Trump“, einfach „Ivanka“. Als wären die Millionärin und meine Familie lateinamerikanischer Einwanderer in New York alte Bekannte. Irgendwie sind sie es auch. Als meine Mutter mir vor Jahren erzählte, dass meine Cousine Marcela, die seit zehn Jahren in New York lebt, aber erst seit zwei Jahren eine Aufenthaltserlaubnis besitzt, für Ivanka arbeitet, und ich fragte, wer Ivanka sei, antwortete meine Mutter vorwurfsvoll: „Na, Ivanka!“ Und als ich vor kurzem die Familie in Jackson Heights, dem Latino-Viertel in Queens, besuchte, sagte meine Mutter, wenn ich ein anderes Mitglied unserer Familie – das ich nicht beim Namen nennen darf, da es nach zwanzig Jahren in New York immer noch ein Illegaler ist – sehen möchte, müsste ich die Route ändern, denn sonntags sei er „bei Ivanka“, das heißt bei der Arbeit in einem ihrer Luxusgeschäfte.

          Keiner von uns hat mit Ivanka je persönlich gesprochen. Trotzdem steht in meiner Familie der Name „Ivanka“ dafür, dass diejenigen von uns, die nach „Amerika“ – wie fast jeder US-Amerikaner, aber kein Lateinamerikaner die Vereinigten Staaten nennt – gegangen sind, es dort irgendwie geschafft haben.

          Fast die Hälfte meiner Familie mütterlicherseits ist in den neunziger Jahren und kurz nach dem Jahr 2000 von Kolumbien nach New York, New Jersey und in andere Städte an der amerikanischen Ostküste ausgewandert. Als erster der namenlose Verwandte, danach meine Onkel Pablo, Fernando und Gonzalo – drei der sechs jüngeren Geschwister meiner Mutter -, schließlich meine Cousine Marcela. Zusammen mit Millionen anderer Menschen sind sie Teil des riesigen Exodus, der seit den siebziger Jahren in Lateinamerika stattfindet.

          Mehr Verwandte als in Kolumbien

          Durch den Zuzug von Partnern und Kindern oder das Gründen von Familien ist aus jenen fünf Verwandten eine Großfamilie geworden, inzwischen fast zahlreicher als die, die in Kolumbien geblieben ist. Die sogenannten „Hispanics“ sind heute die größte ethnische Minderheit in Amerika. Etwa 54 Millionen Menschen oder 17 Prozent der gesamten amerikanischen Bevölkerung haben einen lateinamerikanischen Hintergrund. 2060 sollen es 31 Prozent sein.

          Von den etwa elf Millionen Personen, die heute als illegale Immigranten in Amerika leben und arbeiten, sind die meisten Lateinamerikaner. Was Ivanka davon hält, weiß ich nicht. Meine Cousine Marcela möchte Ivanka nichts unterstellen. Marcela ging nach New York, als sie nach ihrem Psychologie-Studium keine Arbeit fand. Als sie noch illegal war, arbeitete sie drei Jahre lang in einem von Ivankas Schmuckläden als Ladenhilfe. Manchmal war sie für den Transport von Schmuck im Wert von Tausenden von Dollars verantwortlich. Abgesehen von der geringen Bezahlung – weshalb sie am Ende kündigte – habe sie gute Erfahrungen gemacht. „Ivanka schien eine gute, höfliche Person zu sein. Aber natürlich habe ich sie nur zwei Mal gesehen. Arrogant wirkte sie nicht“, sagt Marcela.

          Was Ivankas Vater, der Milliardär und Präsidentschaftskandidat Donald Trump, von den Latinos in den Vereinigten Staaten (sein Wort dafür ist „Mexikaner“), insbesondere von den Illegalen denkt, ist klar. In seiner Bewerbungsrede um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner sagte Trump im Juni, die Leute, die Mexiko nach Amerika schickt, seien „nicht die Besten“. Es seien „Leute, die viele Probleme haben und diese mit sich bringen. Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger.“ Um nicht zu verallgemeinern, ergänzte Trump besonnen: „Einige, nehme ich an, sind gute Menschen.“

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