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Trump-Wahl : Rien ne va plus

  • -Aktualisiert am

Mexikanische Zeitung zeigt Donald Trump mit Clownsnase. Bild: AFP

Trumps Wahlerfolg sollte Meinungsmachern eine Warnung sein. Das Unerwünschte lässt sich nicht wegschreiben. Übersehen lässt es sich nicht mehr.

          Als sich am 14. Juli 1789 mit dem Sturm auf die Bastille eine wütende Masse, die sich politisch nicht vertreten fühlte (und es, weil die feudalistische Ständeverfassung es so wollte, auch nicht war), anschickte, das Establishment hinwegzufegen, notierte König Ludwig XVI. in seinem Tagebuch bekanntlich nur – „rien“. Nichts. Als wäre nichts geschehen. Da hatte einer den Schuss nicht gehört, und wie die Sache ausging, wissen wir.

          Nun ist Amerika heute nicht Frankreich damals, ging es bei der Präsidentenwahl am Dienstag nicht um absolutistische Monarchie und ist Trump kein Robespierre, historische Analogien tragen nicht weit. Aber dass nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa ein frondistisches Grollen gegen die etablierte Politik, gegen ihre Institutionen, Vertreter, Themensetzungen, ihre Art der Entscheidungsfindung und schlicht die Politik, die sie macht, immer lauter wird, ist spätestens seit dem Brexit nicht mehr zu überhören. Und dass die Etablierten das Heraufziehen von etwas, dass die von ihnen verkörperten Paradigmen in Frage stellt, trotzdem leicht überhören, scheint eine menschliche Konstante zu sein.

          Es geht hier nicht um nichts

          Was undenkbar scheint, muss nicht undenkbar bleiben – diese bittere Lehre müssen nun auch die traditionellen Medien diesseits und jenseits des Atlantiks ziehen. Ihre Meinungsmacht, hat sich gezeigt, ist gering. Trump wurde von Beginn an als Horrorclown abgeschrieben, der es nicht schaffen könne. Zumindest in Amerika spiegelte das nicht die Auffassung der Bürger wider, die die Wahl entscheiden sollten – und konnte diese auch nicht davon überzeugen, dass Hillary Clinton das kleinere Übel wäre. Auch Boris Johnson galt lange als Clown. Nach dem Brexit kam aus Rest-Europa viel Jetzt-erst-recht-Rhetorik.

          Nach der Trump-Wahl sollten europäische Politiker und Medien mit Blick auf die Populisten im eigenen Land anfangen, die Sache ernst zu nehmen, sehr ernst. Es hat etwas zu bedeuten, wenn Ägyptens Präsident al Sisi, Putin, Orbán und Chinas Präsident Xi Jinping es kaum abwarten können, Trump zu gratulieren, wenn Marine Le Pen auf Twitter frohlockt, Geert Wilders jubelt und Nigel Farage feiert. Es geht hier nicht um nichts. 2016 hat gezeigt: Es geht allmählich um alles.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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