https://www.faz.net/-gqz-6y43r

Wahlen in Iran : Das Regime hat alles unter Kontrolle

  • -Aktualisiert am

So tickt die iranische Justiz: eine Darstellung aus der Graphic Novel „Zahra´s Paradiese“ von Amir & Khalil Bild: Knesebeck Verlag

Parlamentswahlen ohne Hoffnung: Viele Journalisten sitzen im Gefängnis, kritische Zeitungen sind verboten, das Internet ist blockiert. Die Opposition hat keine Chance.

          Mit Entlassungen war gerade jetzt, einen Tag vor den Parlamentswahlen in Iran, nicht zu rechnen. Da überrascht die große Anzahl der Journalisten und Studenten, die in den vergangenen Tagen aus dem Evin-Gefängnis im Norden Teherans freigekommen sind. Ein Bild davon hat Facebook erreicht: Die junge Frauenrechtlerin, Wissenschaftlerin und Journalistin Parastoo Dokohaki drückt darauf ein kleines, von der Situation überfordert wirkendes Mädchen an sich. Parastoo Dokohaki ist gänzlich unverschleiert. Sie zeigt die freudige Erschöpfung eines Menschen, der froh ist, überlebt zu haben. Es ist ein Dokument der Freude. Gleichzeitig zeigt es aber auch eine perfide Strategie des iranischen Regimes, die Gegner im Land zu kontrollieren.

          Parastoo Dokohaki war vor zwei Wochen vom Geheimdienst festgenommen worden. Dutzenden von Journalisten und Bloggern erging es ebenso, auch Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten sind abgeführt worden. Todesurteile gegen Journalisten wurden gefällt. Der standardisierte Vorwurf lautet: „Propaganda gegen das Regime“.

          Die Zeitungen der Reformer wurden geschlossen, Internetseiten verboten. Insgesamt sitzen mindestens neunhundert Menschen als „politische Gefangene“ ein, darunter alle wichtigen Führungspersönlichkeiten der Opposition. Abdallah Dschasbi, der Präsident von Irans größter Universität, wurde durch einen Mann Ahmadineschads ersetzt. Warum aber lässt das iranische Regime jetzt einige Frauen frei?

          Das Unbegreifliche erklären

          Die Politiker und die geistliche Führung wollen die Stimmung in der Bevölkerung heben. Denn am 2. März finden in Iran die Parlamentswahlen statt. „Parlamentswahlen“ - mit diesem Stichwort verbindet Iran, aber auch wir in Europa, eigentlich den Beginn einer neuen Aufmerksamkeit für Teheran, die im Jahr 2009 ihren Auftakt nahm. Es geschah am 12. Juni. An jenem Tag beschlossen die Studenten, sich zu wehren gegen manipulierte Wahlergebnisse und die jahrelange Unterdrückung ihres Volkes. Die „Grüne Bewegung“ war geboren, als Unterstützer der damaligen Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karrubi und Hossein Mussawi - die beiden Politiker stehen seit mehr als einem Jahr unter Hausarrest, ihre Kandidaten werden im künftigen Parlament keine Rolle spielen.

          Damals gingen ihre Unterstützer mit der Forderung nach gerechten Wahlen auf die Straße, mutig, angetrieben von dem Willen, für ihre Rechte und ihre Freiheit zu kämpfen. Sie wurden niedergeprügelt, von Scharfschützen abgeknallt, eingesperrt, vergewaltigt, verurteilt, verfolgt. Menschen verschwanden spurlos. Amir und Khalils kürzlich erschiene Graphic Novel „Zahra’s Paradise - Die grüne Revolution im Iran und die Suche einer Mutter nach ihrem Sohn“, aus der wir hier eine Abbildung zeigen, ruft jene hoffnungsvollen Tage, aber auch die traumatischen Folgen für die Verwandten auf eindringliche Weise in Erinnerung. Und dieser Comic ist noch mehr. Er ist ein Erklärstück von etwas schwer Begreiflichem: der iranischen Gesellschaft und ihres politischen Machtsystems.

          Die Iraner verstehen ihr Land ja selbst nicht mehr, blicken nur ängstlich nach Syrien, wo das Morden weitergeht und trotzdem niemand eingreift. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad geriert sich als letzter Verbündeter der Regierung von Assad. Er schüchtert damit auch sein eigenes Volk ein.

          Weitere Themen

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.