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Wahl des Parteivorsitzenden : Die Ideen des Merz

Friedrich Merz auf dem 33. CDU-Parteitag Bild: Reuters

„Bildung, Bildung, Bildung“, so lautet ein Kapitel in dem jüngsten Buch von Friedrich Merz. Über den Status einer Dienstmagd kommt sie jedoch nicht hinaus. Das Kulturleben bleibt unerwähnt.

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          Lehrer aufgemerkt: Friedrich Merz, den sich alle nur als einstigen Musterschüler vorstellen können, ist auch heute noch euer größter Freund. „Der Beruf des Lehrers ist der wichtigste Beruf in unserem Land“, heißt es auf Seite 130 des Buches „Neue Zeit, neue Verantwortung“, das der Kandidat für den Vorsitz der CDU im Herbst veröffentlicht hat. Es war kein Megaseller, hat es aber immerhin für ein paar Wochen auf die „Spiegel“-Liste geschafft. Falls Merz heute tatsächlich zum Nachfolger von AKK gewählt werden sollte, werden sich Autor und Econ Verlag vielleicht über eine zweite Welle des Interesses an den 240 Seiten freuen können, die für 22 Euro zu haben sind.

          Schulmeister Merz hat für die Lehrer übrigens noch einen mahnenden Nachsatz parat: Sie müssten sich ihrer „hohen Verantwortung aber auch bewusst sein“. Interessanter liest sich im Kapitel mit der Überschrift „Bildung, Bildung, Bildung“, wie hart Merz mit der Kultusbürokratie ins Gericht geht, die in den meisten Bundesländern daran scheitert, in der Corona-Krise eine funktionierende digitale Infrastruktur aufzubauen, und damit vor allem die sozial Schwachen benachteiligt. Nur über sein Steckenpferd Steuersystem und über die künftige China-Politik schreibt der Weltpolitiker der Reserve mit mehr Verve. Und doch bleibt ein zwiespältiger Eindruck.

          Bildung sieht Merz gewissermaßen als Dienstmagd für die Karriere des Einzelnen und für das Wohlergehen der Volkswirtschaft. Im emphatischen Sinne, als Formung von Persönlichkeit, kommt sie bei ihm nicht vor. Noch beschränkter ist die Perspektive des potentiellen Kanzlers auf die Wissenschaft. Sieht man einmal davon ab, dass er dazu mahnt, in der Bewältigung der Corona-Krise die Rolle der Mediziner auf Beratung zu beschränken und den Primat der Politik zu wahren, kommt sie nur einmal zur Sprache, nämlich in der Idee, bis zum Jahr 2030 drei neue „Volluniversitäten“ in Trägerschaft der Europäischen Union zu gründen, die sich dann schleunigst unter den Top 20 der Welt etablieren sollen.

          In dieser Manager-Kopfgeburt drückt sich ein Mangel an Respekt gegenüber existierenden Institutionen aus und der naive Glaube, dass solche Neugründungen besonders anziehend auf die Besten wirken könnten. So gesehen ist es für Institutionen des Kulturlebens sogar besser, dass ihre Belange und ihre Bedeutung mit keinem einzigen Wort gewürdigt werden. Die Wahlaussichten von Merz für den heutigen Tag wird das alles nicht schmälern. Für den Job, den er eigentlich im Blick hat, müsste er aber noch nachsitzen.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

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