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Waffen : Die Mobilmachung der Kinder

  • -Aktualisiert am

„Softair”-Maschinenpistole und -Pistolen (o.) sowie eine echte Maschinenpistole (u.) Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Kalaschnikows für die Kleinsten: Seit einer Novelle des Waffengesetzes können täuschend echt aussehende Nachbildungen automatischer Kriegswaffen ohne den Besitz eines Waffenscheins erworben werden.

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          Ein Blick in die Schaufenster deutscher Waffengeschäfte genügt, um festzustellen, daß sich der Waffenhandel in einem tiefgreifenden Wandel befindet - und mit ihm auch die Waffenkultur.

          Anstelle der noch vor einigen Jahren vorherrschenden Jagd- und Sportwaffen prägen nun neben Klappmessern allerhand Samurai- und Fantasy-Schwerter und vor allem die sogenannten Softair-Waffen das Bild. Dabei handelt es sich um täuschend echt aussehende Nachbildungen voll- und halbautomatischer Kriegswaffen, die seit der Novelle des deutschen Waffengesetzes vom April 2003 ohne Waffenschein frei erworben werden können.

          Waffen für Dreijährige

          Es wurden lediglich Joule-Grenzwerte festgelegt, die regeln, ab welchem Alter die betreffende Softair-Waffe frei erhältlich ist. So sind Waffen mit einer Geschoßenergie von bis zu 0,5 Joule schon ab vierzehn Jahren zu haben, was darüber hinausgeht, darf erst an Achtzehnjährige verkauft werden. Eine Sonderkategorie mit 0,08 Joule, die als Spielzeug definiert wird, bedient im übrigen schon Dreijährige.

          Der Wandel ist also bereits am Angebot für die ganz Kleinen unübersehbar. Denn dieses Spielzeug wird für ein paar Euro etwa auch in Form einer Kalaschnikow angeboten, die im Unterschied zu manch anderem bloßen Krachmacher auch tatsächlich schießt. Bei einem Internetanbieter, der hier den Schein einer Kontinuität zu der früheren Erbsenpistole, einem beliebten Kinderspielzeug aus den sechziger und siebziger Jahren, suggerieren will, heißt es im Werbetext zu der Spielzeug-Kalaschnikow: „Das einzige Erbsengewehr, das uns überzeugt hat. Hat für ein Erbsengewehr erstaunlich viel Power. Cool ist auch die klappbare Messerhalterung am Lauf.“

          Richtig losballern erst mit vierzehn

          Dem Einstieg in eine militarisierte Spielzeugwelt ist somit Tür und Tor geöffnet. Richtig losballern, bis auf eine Entfernung von immerhin dreißig Metern, kann man allerdings erst mit vierzehn Jahren, und das Angebot an kriegswaffenähnlichen Pistolen und Maschinengewehren ist inzwischen schon fast erdrückend.

          Nachbauten fast aller automatischen Feuerwaffen der weltweit bekannten Eliteeinheiten - von der GSG 9 bis hin zu den Marines - lassen hier Jungenherzen höher schlagen, die bekanntesten Pistolen und Maschinenpistolen wie die James-Bond-Waffe Walther P 99 oder die israelische Uzi sind ebenfalls erhältlich. Der derzeitige Bestseller ist die AK 47, die Kalaschnikow, und man wundert sich zunächst, warum - bis man sie in einem Internetshop für Softair-Waffen als Teil eines „Terror Pack“ findet: Der saudische Terroristenführer Usama Bin Ladin hatte sich bekanntlich mit einer Kalaschnikow auf seinen Propagandavideos inszeniert.

          Gefechte im Wald

          Zwar dürfen solche Waffen in der Öffentlichkeit ohne Waffenschein nicht geführt werden. Doch die Realität sieht anders aus. Vor den Waffengeschäften trifft der Berichterstatter auf Jugendliche, die sich gerade mit der entsprechenden Munition eingedeckt haben und stolz von ihren jüngsten Gefechten im Wald berichten. Um die Gefährlichkeit ihrer Softair-Pistolen wissen die Jungs: Immerhin gilt unter den Spielteilnehmern die Regel, nicht auf den Kopfbereich zu zielen; die ebenfalls im Sortiment befindlichen Schutzbrillen werden allerdings verschmäht.

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