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Wachstums-Debatte : Lest doch bitte euren Popper richtig

  • -Aktualisiert am

Die Menschen sollen denken: Verzicht ist gut

Offenkundig ist dies ein gefährlicher Weg. Deshalb setzen die Befürworter der „großen Transformation“ rhetorisch nicht nur auf den Staat, sondern auch auf Erziehung und Aufklärung: Die Menschen sollen von sich aus zu der Überzeugung kommen, dass der Verzicht gut für sie ist. Tatsächlich betrachtet Loske genau diese Erkenntnis als eine Art höhere Form der Freiheit, die zu gewährleisten sei. Wie dies geschehen soll, lässt er offen, aus guten Gründen, denn dahinter lauert ethisch vermintes Terrain. Immerhin geht es nicht nur um eine allgemeine Erziehung zu verantwortlichem Handeln, wie sie ja selbstverständlich sein sollte. Es geht um härtere Erziehungsarbeit nach dem Motto: Du, lieber Konsument, musst lernen, nach den Maßgaben einer ökologisch orientierten Obrigkeit zu leben, und wenn du dies nicht tust, wirst du deiner Verantwortung als Mitglied der Gesellschaft nicht gerecht. Du wirst zum ökologischen Außenseiter. Willst du das wirklich?

Für Liberale sind dies schauerliche Vorstellungen. Sie erinnern in fataler Weise an frühere Großexperimente der Volksbeglückung samt ihrer fürchterlichen Propaganda. Sie haben nicht das Geringste zu tun mit den großen liberalen Erziehungsidealen von Wilhelm von Humboldt und John Stuart Mill, die auf Ausbildung reifer, eigenverantwortlicher Persönlichkeiten zielten. Humboldt und Mill wollten gerade keine Anreizmaschinen heranzüchten, die auf staatliche Drohungen, Lenkungen und Anstöße (“nudges“) reagieren. Ist es nicht deshalb völlig verständlich, dass in der derzeitigen Diskussion Liberale vor einem solchen Weg warnen? Wir tun dies natürlich nicht, weil wir jedwede Regulierung des gesellschaftlichen Lebens ablehnen. Wir tun es, weil wir die Gefahren der Lenkung besonders deutlich erkennen, völlig gleichgültig, ob die Lenkung gesetzlich oder erzieherisch erfolgt. Das schließt eine pragmatische Politik zur Verbesserung der Umwelt und zum Klimaschutz überhaupt nicht aus, jedenfalls solange sie sich im Rahmen von Karl Poppers „Stückwerktechnologie“ bewegt, mit offenen Optionen sowie Möglichkeiten der Revision und Umkehr.

Loske liegt also im Kernpunkt falsch: Starre Ideologie findet sich heute nicht bei denen, die für Marktwirtschaft plädieren, sondern bei jenen, die eine „große Transformation“ um jeden Preis durchsetzen wollen. Die Frontlinie zwischen liberalem und grünem Denken liegt bei der Frage der staatlichen Vormundschaft, und da wird sie wahrscheinlich für einige Jahre bleiben. Es könnte, wenn wir sachlich bleiben, durchaus eine wichtige, fruchtbare sozialphilosophische Diskussion werden, und zwar weit über die Fragen des Wachstums und der Klimapolitik hinaus.

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