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Wachstums-Debatte : Lest doch bitte euren Popper richtig

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Was, wenn die Menschen nicht wollen?

Tatsächlich aber sind die Motoren unserer Automobile in den vergangenen letzten Jahrzehnten erheblich umweltfreundlicher geworden, vor allem durch weniger Kraftstoffverbrauch pro Leistungseinheit, fraglos eine beachtliche Leistung der Innovationskraft unserer Industrie. Dies hat aber noch nicht zu einer absoluten Senkung des Ausstoßes von Emissionen geführt, weil die Menschen tendenziell größere und stärkere Automobile kauften. Sie erwarben damit mehr Komfort und mehr Sicherheit für ihre Familien - und die Opferzahlen von Unfallstatistiken bestätigen, dass sie damit absolut richtig lagen. Ist das nun schnöder Konsum oder völlig vernünftiges, verantwortungsvolles Verhalten?

Aus grüner Sicht ist es vor allem ein skandalöses Scheitern der Politik, weshalb dringend massive staatliche Lenkungen gefordert werden - zur Eindämmung des Rebound-Effekts. Aber wie könnten diese aussehen? Verbot des Baus oder Erwerbs großer Autos oder massive Besteuerung, bis sich nur noch wenige sehr Reiche große Autos leisten können? Da dies verteilungspolitisch unerwünscht ist, im nächsten Schritt eine drastische Reichensteuer? Oder gar eine Art Pranger für Menschen, die weiterhin große Autos fahren wollen?

Ähnliche Fragen stellen sich im Bereich des Wohnungsbaus. Ernst Ulrich von Weizsäcker hat in seinen Büchern überzeugend gezeigt, dass es technisch möglich ist, den Energieverbrauch drastisch zu senken - er sprach zuletzt vom „Faktor 5“, also einer Abnahme um achtzig Prozent. Voraussetzung ist allerdings nicht nur ein gigantisches Investitionsprogramm, sondern eben auch eine grundlegende Veränderung der Wohn- und Lebensgewohnheiten: vom Land zur Stadt, vom isolierten Häuschen im Grünen zur wärmenden Nachbarschaft der urbanen Ballung oder auch von der bürgerlichen Eleganz der Gründerzeitbauten in die Welt der Dämmstoffe. Dies ist alles physisch möglich, aber was macht man, wenn die Menschen dies nicht wollen, weil ihre Glücksvorstellungen andere sind?

Die Freiheit wird Stück für Stück eingeengt

Das systemische Problem ist offenkundig: Begibt sich der Staat einmal auf den Weg, auf die Konsumenten und Produzenten lenkend einzuwirken, dann entsteht eine Interventionsspirale, wie dies schon Ludwig von Mises (1881 bis 1973) genannt hat: Ein Teil der Menschen entwischt, der Staat zieht nach. Der Grund ist einfach: Weil das kollektive Ziel kompromisslos und unverrückbar bleibt, muss eben immer wieder „nachgebessert“ werden. Der Staat beginnt sich systematisch zu überfordern, die Freiheit wird Stück für Stück eingeengt. Und dies nicht nur bei der Wahl von Kraftfahrzeugen und im Wohnungsbau.

Weitere Beispiele liegen auf der Hand, so etwa bei Umweltzertifikaten, deren marktwirtschaftlicher Preis als „zu niedrig“ angesehen wird; oder bei Biokraftstoff, dem die Menschen misstrauen - zu Recht, weil er wegen der Flächenkonkurrenz mit dem Anbau von Brotgetreide dem Klimaschutz eher schadet und zu Monokulturen in der Landwirtschaft führt.

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