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Gina Thomas (G.T.)

Vorwurf der „Transphobie“ : J.K. Rowling und die Transfrauen

  • -Aktualisiert am

Mit ihren Harry-Potter-Romanen wurde die Autorin J. K. Rowlings bekannt. Bild: AP

Oft wendet sich die Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling mit spitzbübischen Aussagen an ihre 14,5 Millionen Twitter-Follower. Nun macht sie sich über den Begriff „menstruierende Personen“ lustig. Ist das diskriminierend?

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          Wegen ihrer einfühlsamen Darstellung von Andersartigkeit und Individualität sind J. K. Rowlings Harry-Potter-Romane als Werke empfohlen worden, die Kindern beibringen können, Diskriminierung entgegenzuwirken. Eine wissenschaftliche Studie erklärte sogar den Abbau von Vorurteilen als Harry Potters größte Zauberei. Die Forscher ermittelten, dass das Lesen der Bücher die Toleranz gegenüber stigmatisierten Gruppen fördere.

          Das Gegenteil wird jetzt wieder Potters Schöpferin vorgeworfen. In dem grässlichen, pseudo-akademischen Jargon des Geschlechtskampfes wird sie nicht zum ersten Mal als „Terf“ beschimpft. Das Akronym steht für „Trans Exklusionistische Radikale Feministinnen“, die Transfrauen nicht als Frauen anerkennen.

          Anlass zu der jüngsten Entrüstung über die Autorin, die zwar die Öffentlichkeit meidet, sich aber gern mittels Twitter in den öffentlichen Diskurs einmischt, gab ein Kommentar auf der Mikroblogging-Plattform zur Trans-Frage. In dem Einwurf mokierte sie sich über die Überschrift eines Artikels, der eine „gleichere Post-Covid-19-Welt für menstruierende Personen“ forderte.

          „Ich bin sicher, dass es früher ein Wort gab für diese Personen“, frotzelte sie spitzzüngig und fragte rhetorisch, ob man ihr auf die Sprünge helfen könne, bevor sie so tat, als taste sie sich in einer orwellschen Neusprechwelt an diese verlorengegangene Bezeichnung für eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts heran: „Wumben? Wimpud? Woomud“. Sie erntete Vorwürfe und Beleidigungen. Eine Kritikerin warf ihr vor, zu unterstellen, dass „nur Frauen ihre Tage bekommen“ und somit „die nicht-binären und transmaskulinen Personen, die ebenfalls menstruieren“, zu tilgen. Sie könne offensichtlich auch nicht unterscheiden zwischen dem bei der Geburt zugeschriebenen Körpergeschlecht und der Geschlechtsidentität, wenn sie das biologische Geschlecht als Tatsache darstelle.

          Als besonderer Affront wurde empfunden, dass J. K. Rowling ausgerechnet während eines weltweiten Aufstandes gegen Polizeigewalt und Rassismus ihre gigantische Plattform – sie hat 14,5 Millionen Twitter-Follower – für eine „Anti-Trans-Tirade“ nutze. Daniel Radcliffe, der Potter-Darsteller in den Verfilmungen der Romane, entschuldigte sich für den Schmerz, den J. K. Rowling zugefügt habe und verkündete, Transfrauen seien Frauen. Jede gegenteilige Behauptung „löscht die Identität und die Würde von transgeschlechtlichen Personen aus“. Dem widersprach eine Trans-Stimme, die sich im Namen anderer Trans-Personen für den Mut J. K. Rowlings bedankte, ihre Stimme gegen eine „autoritäre Ideologie“ zu erheben, „die Frauen und Schwule in Trans-Personen unterdrückt“.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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