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Vorwahlen in Iowa : Achtstimmig

Schon die zusätzlichen Stimmen einer kleinen Mormonen-Familie hätten dem katholischen Kandidaten Santorum gereicht. Eine kleine Rechenübung zum knappen Sieg Mitt Romneys.

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          Acht Stimmen hat der republikanische Präsidentschaftskandidaturkandidat Mitt Romney bei den Vorwahlen seiner Partei in Iowa seinem schärfsten Konkurrenten Rick Santorum voraus. Acht Stimmen - das sind 0,000266484125 Prozent der etwas mehr als drei Millionen Bewohner von Iowa und 0,006596958802 Prozent der gültigen 121.268 Republikaner-Stimmen bei dieser Wahl.

          Das klingt nach nicht viel, zumal dann nicht, wenn man sich vorstellt, dass es schon gereicht hätte, wenn Santorum als verheirateter Vater von sechs Kindern mit diesen von Virginia nach Iowa umgezogen wäre, um nominell gleichzuziehen. Andererseits sind acht Stimmen immerhin zwei Barbershop-Quartette, mehr als ein Drittel eines College-Footballteams (und zwar, wenn man Offense und Defense zusammennimmt) oder auch eine eher kleine Mormonenfamilie. Wer wollte da noch sagen, der einzelne Wähler zähle nicht?

          Die Signalwirkung der Wahl ist enorm

          Der knappe Sieg Romneys ist ein Triumph der Demokratie im Sinne eines Polis-Verständnisses, wie es in der Antike galt: Eine Minorität bestimmt die Geschicke der Republik. Denn Iowa stellt nicht einmal ein Prozent der amerikanischen Bevölkerung, setzt sich aber zu 93 Prozent aus Weißen zusammen. Die Signalwirkung dieser Wahl ist enorm, und Romney kann sich als ihr Sieger bezeichnen.

          Schade nur, dass die acht Stimmen Differenz ihm nicht 25 Stimmen bringen, denn die durch diese Vorwahl letztlich bestimmten 25 Wahlmänner, die der Bundesstaat Iowa am 27. August zum Kongress der Republikaner in Tampa, Florida, entsendet, wo der Präsidentschaftskandidat ihrer Partei festgelegt wird, fallen nicht alle dem Gewinner zu, sondern setzen sich nach dem anteiligen Ergebnis von vorgestern zusammen, wodurch Romney und Santorum in Tampa die gleiche Zahl an Unterstützern aus Iowa haben werden.

          Die knappste Wahl der amerikanischen Geschichte hat zudem überschattet, dass am Sonntag auch die Demokraten in Iowa über ihren Präsidentschaftskandidaten abgestimmt haben. Allerdings trat niemand gegen den Amtsinhaber Barack Obama an, der deshalb mit einem Ergebnis gewählt wurde, das frühere Ostblock- und gegenwärtige CSU-Politiker erblassen lässt: 98 Prozent, fast einstimmig! Während sich die Gegenseite zerfleischt. Für die Demokraten ist es deshalb eine noch viel schönere Nachricht, dass Mitt Romney in Iowa achtstimmig gewählt worden ist.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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