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Sprache und Klischees : Man wurschtelt sich so durch

Szene aus „Porgy and Bess“ an der Metropolitan Opera in New York im vergangenen Monat. Bild: AP

Die Metropolitan Opera in New York hat kürzlich den Librettotext von „Porgy and Bess“ verändert. Mit „political correctness“ hat das wenig zu tun, sondern mit Verständlichkeit. Um die geht es in vielen Sprachen.

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          Die „New York Times“ berichtete neulich von der Mühe, welche die Metropolitan Opera mit einer wieder ins Programm genommenen Produktion von „Porgy and Bess“ hatte: Die Übersetzung des Librettos in andere Sprachen, die fremdsprachigen Besuchern der Met als Übertitel eingeblendet werden, stellte die Verantwortlichen nämlich vor kniffelige Aufgaben.

          Wie etwa gibt man schwarzen amerikanischen Slang so wieder, dass er sowohl verständlich, halbwegs texttreu und obendrein exakt so anstößig ist, dass dem Inhalt der Oper gedient, aber der Zuhörer nicht schockiert wird? Antwort: Man wurschtelt sich so durch; am Ende stehen Annäherungen und Kompromisse.

          Doch das Problem geht tiefer, denn die Originalsprache der weißen Librettisten Ira Gershwin and DuBose Heyward reproduzierte 1935 etwas, was damals als „Negro Slang“ durchging, heute aber wohl eher als klischeegesättigte Aneignung („appropriation“) durch die Herren des kulturellen Diskurses gilt.

          Die Met entschied sich schließlich dafür, den Operntext mit Genehmigung von Gershwins Erben zu modifizieren – den geschriebenen, nicht den gesungenen. Wer darin allerdings vorschnell eine Kapitulation vor politischer Korrektheit sieht, sollte noch einmal nachdenken. Etwa über die Angemessenheit, ein ausgelatschtes Stereotyp durch andere Formen zu ersetzen, damit Menschen nicht in das immer gleiche historische Raster gepresst werden, obendrein eines, das sie an Versklavung und Tausende ungesühnte Morde erinnert.

          Oder um ein viel harmloseres, der deutschen Seele aber näher liegendes Beispiel zu bemühen: Wäre es nicht schön, als Deutscher in der britischen Presse einmal nicht mit rollenden Panzern und Hitler-Schnurrbart dargestellt zu werden?

          Was nun die Missgriffe, Patzer und Peinlichkeiten im Sprachtransfer betrifft, empfiehlt sich allgemein eine niedrige Brennweite, möglichst noch gepaart mit Humor. Allein die Fallstricke des auf mehreren Kontinenten gesprochenen Spanischs reichen aus, um den Irrtum für wahrscheinlicher zu halten als Korrektheit.

          Vokabeln wie „embarazoso“ (peinlich) und „embarazada“ (schwanger) etwa liegen so nahe beieinander, dass sie schon für unzählige Lacher gesorgt haben. Ein und dasselbe spanische Verb, „coger“, bedeutet in Spanien „nehmen“ und „ergreifen“, etwa den Bus oder ein Glas Wasser, während man seine Bedeutung in Lateinamerika zutreffend mit „vögeln“ umschreibt. Zu schweigen von „bichos“, die sowohl in Spanien als auch in Mexiko „Ungeziefer“ bedeuten, in Puerto Rico dagegen „Penis“, was seinerseits überraschend weite Ausblicke in die Abgründe der menschlichen Angelegenheiten erlaubt. Sprechen wir die Sprache? Oder spricht sie uns? Jedenfalls sind Peinlichkeiten garantiert. Es ist zum Lachen, nichts sonst.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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