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Von der Renaissance lernen : Besetzt den Palazzo Vecchio!

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Bußpredigten wider die Macht der Banker können Kapitalismus und Kunst gut tun. An diese Renaissance-Erfahrung erinnert die Ausstellung über „Geld und Schönheit“ in Florenz.

          Erst Griechenland - und jetzt also Italien. Erst die Erfinder Europas, jetzt die der Banken. Ist da eigentlich irgendein teuflischer Plan dahinter, wenn in dieser Superkrise der europäischen Finanzsysteme zuerst ausgerechnet die Länder ins Trudeln geraten, von denen wir die Begriffe für beides haben?

          Dass eine Krise immer auch eine Einladung ist zu einem Rendezvous mit den Ursprüngen dessen, was da in der Krise steckt, das war ja so ein Verdacht, der sich uns hier schon in der vergangenen Woche aufgedrängt hatte. Die Leute stürmen Ausstellungen über die „Gesichter der Renaissance“, um zu betrachten, wie sich da auf den Leinwänden etwas herauszuschälen scheint, das sich im formal verblüffend ähnlichen Bildnisgebrauch für Facebookprofile und biometrische Pässe heute zusehends wieder auflöst: das Bewusstsein des autonomen Individuums, die Gewissheit eines Ichs, das Herr in Kopf und Körper ist.

          Und Millionen schauen zu, wenn in der Fernsehserie „Borgia“ hemmungslose Machtpolitik und sinnenfreudige Daseinsbejahung wie ein einziger Hefeklumpen des Amoralischen dermaßen auf das alte Weltgefüge einwirken, dass man jederzeit mit einer Bußpredigt von Peter Hahne oder Oskar Lafontaine dagegen rechnen muss. Geschichte ist halt immer nur das, was wir darin sehen, und anders als ein Mantel lässt sich die eigene Gegenwart an der Garderobe nicht abgeben, wenn man durch eine Ausstellung geht, man schleppt sie grundsätzlich mit.

          Vom Bankmöbel zum Bankgebäude

          Wenn dies nun aber die Woche ist, in welcher die deutsche Kanzlerin und der französische Präsident zusehen müssen, dass sie nicht lauthals losprusten, wenn sie über die Kreditwürdigkeit der Italiener befragt werden: Dann gibt es praktisch gar keinen besseren Ort, sich darüber so seine Gedanken zu machen, als die Ausstellung „Geld und Schönheit - Bankiers, Botticelli und das Fegefeuer der Eitelkeiten“, die zurzeit in Florenz zu sehen ist, passenderweise im Palast der Bankiersfamilie Strozzi. Dabei ist diese wunderbare Ausstellung überhaupt nicht als Antwort auf die Finanzkrise geplant gewesen, noch nicht einmal auf die von vor drei Jahren; die ersten Pläne stammten noch aus dem prosperierenden Sommer 2006; es ging dabei einfach um die eigenen Grundlagen, um die schnöden ökonomischen Grundlagen jener Renaissance, von der die Stadt bis heute zehrt.

          Erzählt wird die Finanzkrise hier sozusagen von ihrem anderen Ende her, von dem Ende, an dem zumindest die Begriffe noch stimmten. Am Anfang war die Bank wirklich noch eine Bank, das kann man auf den alten Gemälden sehen: die stoffbespannte „banca“, auf der die Gelder gewechselt wurden und die später dem Gebäude, in dem das geschah, den Namen gab. Die „banca rotta“, die zerbrochene Bank des Zahlungsunfähigen, ohne die heute in den Nachrichten das so dringend benötigte Wort Bankrott fehlen würde, so wie wir nicht von Giro, Konto, Skonto und Lombardsätzen sprechen könnten, ohne die Oberitaliener des späten Mittelalters, in welchem Florenz zum Finanzzentrum Europas wurde, zu einer Art Frankfurt am Arno gewissermaßen. Das, was wir heute als Renaissancestil kennen, war ja zunächst einmal nichts als die Lokalmode in einer von Bankiersdynastien geprägten Stadt - es ist der ästhetische Ausdruck ausgeglichener Bilanzen.

          Der Florin als Zweiklassenwährung

          Die Ausstellung setzt da ein, wo die Gilden der Münzpräger und Geldwechsler ihren Arbeitsgegenstand gefälligst auch in der religiösen Kunst repräsentiert sehen wollten, die sie sich bestellten. Und sie nimmt sich eine finanztechnische Innovation als Ausgangspunkt: die Einführung des Florins (dessen Vorbild bis hin zum ungarischen Forint noch nachklingt). Diese optisch an sich eher mickrige Goldmünze hatte eine ganze Reihe von Funktionen und Effekten. Das Geld des Mittelalters war, nachdem Karl der Große die antiken Goldmünzen abgeschafft hatte, aus Silber gewesen. Der Florin setzte eine Münze für die wohlhabenderen Stände entgegen; es war ganz ausdrücklich eine Zweiklassenwährung.

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