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Nach dem Lockdown : Freiraum, den ich meine

  • -Aktualisiert am

Das liets man etwas länger: Im Café Traxlmayr im Linz liegen um die 100 aktuelle Ausgaben verschiedener Tageszeitungen und Journale aus. Bild: Mafalda Rakoš

Die Einschränkungen fallen und so auch die Hemmungen: Wir können wieder raus, ins Café, ins Restaurant. Menschen treffen. Das hat nicht nur Vorteile.

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          Es ist schön und sozusagen normal und selbstverständlich, dass man wieder draußen sitzen kann, um einen Kaffee zu trinken und die Zeitung zu lesen. Und es ist, leider, auch normal und selbstverständlich – bei dem Andrang –, dass jemand fragt: Ist hier noch frei, kann ich mich dazusetzen? Man nickt, wenn auch zähneknirschend, mit dem Kopf und zieht die auf dem Tisch ausgebreitete Zeitung an sich heran und verschwindet hinter der Papierwand.

          Und, was gibt es Neues? fragt nun die ausgedünnte Altmännerstimme an meinem Tisch. Ich sage nichts, ich habe die Frage nicht gehört. Ich bin zweimal geimpft, sagt die Stimme. Und Sie? Ich schweige. Was meinen Sie, wie das Rennen nun ausgeht? Ich ahne, welches Rennen er meint, aber ich überhöre auch diese Frage und blättere in der Zeitung, raschel so laut wie möglich mit dem Papier und versuche, mich auf den gerade begonnenen Artikel zu konzentrieren.

          Die Kellnerin bringt Kaffee und Wasser für den Herrn an meinem Tisch. Er schlürft und sagt: Ist das nicht wunderbar, dass man wieder zusammen an einem Tisch sitzen und sich unterhalten kann? Sind ja immerhin wichtige Entscheidungen, die da nun für unser Land anstehen. Und diese Hochwasser-Bilder im Fernsehen, schrecklich. Aber der Laschet war ja da. Wir brauchen mehr Tempo beim Klimaschutz, hat er gesagt. Wo er recht hat, hat er recht. Was meinen Sie?

          Und schon durchbricht der Mann meinen Zeitungs-Schutzwall und schiebt mir sein Smartphone vors Gesicht. Hier, gucken Sie. Steinmeier war auch da. Aber worüber hat der Laschet bei Steinmeiers Rede gelacht? Er wird das Rennen trotzdem machen, oder? Da setzt sich bestimmt die rheinische Frohnatur durch! Es reicht. Ich winke der Kellnerin, falte meine Zeitung zusammen, zahle und gehe. Zu Hause, allein auf dem Balkon, ist es herrlich. Kaffee, Zeitung, Presslufthammer, Baumsäge, hupende Autos. Eine Idylle. Wann bitte kommt endlich der nächste Lockdown?

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