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Presse und Digitalkonzerne : Doppel-Döpfner

BDZV-Präsident und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Bild: dpa

Wie hältst Du es mit den Digital-Giganten? Das ist für Presseverlage eine Frage, von der ihr Überleben abhängt. Mathias Döpfner, Springer-Vorstandschef und Präsident der Zeitungsverleger, scheint eine Antwort zu haben.

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          Am Umgang mit den fünf Digitaloligopolisten Google (Alphabet), Facebook, Amazon, Apple und Microsoft wird sich die Zukunft der Presse entscheiden. Denn nur wer in deren Diensten und auf Plattformen und Netzwerken auftaucht, wird vor allem von den Jüngeren überhaupt noch wahrgenommen.

          Die Konzerne aus dem Silicon Valley sind übermächtig. Wie sehr sie auf Demokratie und Gesellschaft einwirken, kann man nicht nur an der Verbreitung von Fake News, Hass und Hetze in der digitalen Welt erkennen. Dabei ist das Wirken dieser Konzerne vollkommen intransparent. Über alle anderen wissen sie alles, von ihren Algorithmen, mit denen sie die Öffentlichkeit und jeden Einzelnen steuern, wissen wir nichts.

          Für die Verlage stellt sich daher seit langem die Frage, wie sie mit den „Intermediären“ umgehen sollen. Sich anpassen, unterschlüpfen, mit kleinen Gaben begnügen? Oder dagegenhalten und den Gesetzgeber anstacheln, die Stellung der Presse und des Rundfunks gegenüber den Digitalkonzernen zu stärken?

          Der Chef von Springer, Mathias Döpfner, fährt, wie man in den vergangenen Tagen sehen konnte, eine Doppelstrategie. Für das umstrittene Leistungsschutzrecht, mit dem Verlage einen Rechtsanspruch erhalten, den sie gegen die Digitalkonzerne durchsetzen können, wenn sie wollen, ist gerade sein Verlag über all die Jahre vehement eingetreten. Zugleich aber macht Döpfner einen Rückzieher, sobald es damit zum Schwur kommt.

          Eine PR-Kampagne, welche sich die Verwertungsgesellschaft VG Media ausgedacht hatte, um auf die besondere Bedeutung der Presse für die Demokratie hinzuweisen und auf die Gefahren, die von weitgehend unregulierten Digitaloligopolisten ausgehen, hat Döpfner in seiner Eigenschaft als Präsident des Deutschen Zeitungsverlegerverbandes torpediert.

          „Richter benötigen keine ‚Ertüchtigung‘“

          Kaum hatte jemand ein internes Papier der Kampagne an den Online-Dienst netzpolitik.org durchgestochen (genau die richtige Adresse, wenn es gegen Presseverlage gehen soll), in dem an einer Stelle davon die Rede ist, man wolle die Öffentlichkeit überzeugen und Politiker, Beamte und Richter, die mit der Materie zu tun haben, „ertüchtigen“ – also auf den Stand bringen, instand, in Kenntnis setzen, mit Argumenten überzeugen –, ließ Döpfner erklären, man distanziere sich „entschieden von jeglichem Versuch, die Unabhängigkeit der Meinungsbildung, insbesondere von Richtern und Institutionen, in Frage zu stellen. Richter benötigen keine ‚Ertüchtigung‘.“

          Zum selben Zeitpunkt wurde bekannt, dass der Digitalkonzern Facebook, dessen Chef Mark Zuckerberg Döpfner geradezu kumpelhaft verbunden scheint, für seine Videoplattform „Facebook Watch“ drei deutsche Partner gefunden hat, die mit jeweils zweistelligen Millionensummen vergütet werden. Und das sind welche? Burda, Gruner + Jahr und – Trommelwirbel – Springer.

          Facebook wiederum entwickelt in den Vereinigten Staaten gerade ein Konzept für sein neues Angebot „News Tab“. Bei diesem sollen seriöse Medien wie „New York Times“, „Washington Post“, „Wall Street Journal“, Bloomberg, ABC, CBS oder BBC bevorzugt behandelt und als „Partner“ mit bis zu drei Millionen Dollar pro Jahr bezahlt werden. Potentielle Fake-News-Schleudern hätten das Nachsehen.

          Da gilt es für die Presse selbstverständlich, von den Facebook-Kuratoren für wert befunden zu werden und dabei zu sein. Auf diese Weise, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ zutreffend, werde Mark Zuckerberg, der sich lange gegen die Auffassung gewehrt hat, sein Konzern trage Verantwortung für die transportierten Inhalte, zum „Chefredakteur“.

          Derweil hat Google bekanntgegeben, man werde in den Suchergebnissen künftig Originalberichte der Presse künftig besser plazieren. Darauf, wen Facebook-Chefredakteur Zuckerberg dereinst in seinen „German News Tab“ aufnimmt, darf man gespannt sein. Wir hätten da so eine Vermutung.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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