https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/vogel-des-friedens-die-turteltaube-ist-vom-aussterben-bedroht-18352131.html

Kolumne „Stallgeruch“ : Ein Vogel ohne Bosheit und Bitterkeit

  • -Aktualisiert am

Zärtliche Stadttauben in Frankfurt Bild: dpa

Ist sie noch Haustier, und ist sie noch Nutztier? Heute jedenfalls ist das nicht mehr entscheidend: Die Taube ist den Menschen ferner gerückt, aber bei manchen weiterhin sehr beliebt.

          4 Min.

          Vor etwa siebentausend Jahren, anderen Vermutungen zufolge bereits vor zehntausend Jahren und jedenfalls zu einer Zeit, als Rinder, Schafe und Ziegen bereits in Nutztierhaltung lebten, gelang es den Menschen in Mesopotamien, dem Gebiet des heutigen Iraks, Tauben zu domestizieren. Sie schätzten deren Fleisch und Eier, zudem ihren Kot als Dünger sowie die Fähigkeit und Neigung, stets zu ihren Haltern zurückzukehren. Das gefiel schon Noah, dem die Tauben zuverlässig meldeten, dass die Wasser zurückgingen, der Aussöhnung mit Gott nichts mehr im Weg stand und die Menschen keine Amphibien werden müssten.

          Vom Aussterben bedroht

          Wie leicht zu haben war diese Columbidae genannte Familie der Vögel, die Samen, Knospen, Insekten, Beeren und andere Früchte, Körner und Hülsenfrüchte fressen. Weltweit zählt man mehr als dreihundert Arten, in Deutschland leben allerdings nur fünf von ihnen. Gerade weist die Vogelschutzorganisation BirdLife Protection in ihrem neuen Bericht darauf hin, weltweit seien eine von acht Vogelarten vom Aussterben bedroht. Das gilt standortspezifisch auch für eine der deutschen Taubenarten, die Turteltauben, hingegen sind Ringeltauben, Hohltauben, Stadttauben und Türkentauben keine gefährdeten Arten. Vor dem Verlust einer ihrer spektakuläreren Verwandten, der Krontauben, warnte genau vor einhundert Jahren die damals gegründete Vorläufer-Organisation von BirdLife Protection, das „International Committee for Bird Protection“. Beim Gründungstreffen am 20. Juni 1922, das Mitglieder aus gerade einmal vier Ländern zählte, riefen die vorausblickenden Vogelschützer „die Nationen der Welt auf, den Status aller bei ihnen lebenden Vogelarten zu ermitteln und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, unter allen Umständen den adäquaten Erhaltungszustand der heimischen Vogelarten sicherzustellen“. Am dringendsten erschien ihnen, den Raubbau an den Pampashühnern Argentiniens zu drosseln, eine Kampagne gegen den Handel Australiens mit lebenden Vögeln zu lancieren sowie darüber aufzuklären, wie groß die Verluste an Reihern, Paradiesvögeln und eben Krontauben seien, seit die Mode-Industrie mit deren Federn Hüte und andere Kleidungsstücke schmücke.

          Plüschige Federn

          Am Ende wurde Goura cristata nicht von putzsüchtigen Frauen und Männern aufgerieben. Die achtzig Zentimeter Truthennengröße erreichende, auf Neuguinea und weiteren südostasiatischen Inseln vorkommende Taubenart lebt und beeindruckt weiterhin mit ihrem Anblick. Auf dem Kopf trägt sie ihre allerdings wirklich spektakulären langen plüschigen Federn. Mit ihrem schwanzwippenden königlichen Gang sind Krontauben die Zizi Jeanmaires und Liza Minellis unter den Tauben. Zu der Zeit, als diese Frauen noch Stars waren, nämlich in den Siebzigerjahren, waren in europäischen Zoohandlungen Krontauben beliebte Tiere. Teurer noch als der Erwerb – etwa 700 Mark wurden damals für ein Exemplar verlangt – waren die Folgekosten. Die artgerechte Haltung der Krontaube erfordert einen Raum von etwa 20 Quadratmeter Größe. Den deutschen Krontauben stand damit mehr Platz zur Verfügung als den meisten Minderjährigen in ihren Kinderzimmern. Es hat sich dann auch nicht durchgesetzt, Krontauben zu halten.

          Weitere Themen

          Zu sehen ist eine Diktatur

          Iran und das Assad-Regime : Zu sehen ist eine Diktatur

          Sind die syrischen Proteste vor dem Krieg mit den aktuellen in Iran vergleichbar? Die beiden Regime sind eng miteinander verknüpft. Noch ein Grund, weiterhin genau hinzuschauen.

          Topmeldungen

          Geht’s voran?

          Hohe Hauspreise : Wohnen müsste nicht so teuer sein

          Die Zinsen steigen, doch die Immobilienpreise bleiben hoch. Dieses Jahr zeigt: Nicht die Spekulation ist schuld, sondern übertriebene Regeln.
          Eine Kryptowährung gerät ins Wanken: Bitcoin-Tokens unter Wasser

          Nach dem Kursrutsch : Warum der Bitcoin weiter fallen wird

          Es wäre verwegen, vom Bitcoin bald einen Anstieg zu erwarten. Niveaus im mittleren vierstelligen Bereich sind alles andere als ausgeschlossen. Wer ganz am Anfang dabei war, den wird das wenig schmerzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.