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Vier Fragen : Als nächstes Sarajewo

  • Aktualisiert am

Der Fotograf Christian Werner liest Fitzgerald, war bei René Pollesch, hört Kendrick Lamar und ist genervt von seinem Handy.

          2 Min.

          Was lesen Sie?

          Ich lebe in einem Bücherhaushalt, meine Frau ist Verlagsleiterin. Das heißt, ich habe eigentlich einen ganz guten Überblick über die Literaturlandschaft, nur muss ich gestehen, dass ich es bei weitem nicht schaffe, alle Bücher zu lesen, die sie mir empfiehlt, manchmal geradezu aufdrängt. Gerade lese ich „Meine Eltern“ von Aleksander Hemon, ein Buch, in dem es um Immigration und um den Untergang eines ganzen Landes geht, also um die schlimmste Form von Heimatlosigkeit, aber auch um die Stadt Sarajevo, die im Zentrum meines nächsten Fotoprojekts stehen wird, besser gesagt die Menschen, die in dieser Stadt leben, in deren Körper und Gesichter sich der Krieg unmissverständlich eingeschrieben hat. Was wiederum ganz gut zu einem dünnen Merve-Bändchen passt, das ich seit Jahren immer wieder in die Hand nehme: „Der Knacks“ von F. Scott Fitzgerald und dazu ein Nachwort von Gilles Deleuze mit dem Titel „Porzellan und Vulkan“. Ähnlich wie Deleuze auch die berühmte Bartleby-Formel („Ich möchte lieber nicht“) dekonstruiert hat, nimmt er sich hier vor allem den ersten Satz aus dem Fitzgerald-Text vor: „Im Grunde ist alles Leben ein Prozess des Niedergangs.“ Wow!

          Christian Werner
          Christian Werner : Bild: Ilya Lipkin

          Was sehen Sie?

          Das erste Theaterstück, das ich nach Ausbruch der Pandemie gesehen habe, hat selbige zum Thema und war ein tolles Erlebnis, bei dem wieder klar wurde, wie wichtig diese öffentlichen Diskursräume und Live-Erfahrungen sind. „Geht es Dir gut?“ von René Pollesch an der Berliner Volksbühne ist maximal verzweifelt und irre komisch zugleich, und Fabian Hinrichs, den ich sehr verehre, ist grandios in diesem Stück. An einer Stelle geht es auch darum, wie müde wir alle sind vom ständigen Netflix glotzen, dennoch steht bei mir gerade die vierte Staffel von „Stranger Things“ auf dem Programm, wo man ja auch unentschieden ist, ob das genial ist oder einfach nur großer Quatsch. Der Retro-Trick funktioniert natürlich super. Will man lieber eine Zeitreise in die Siebziger- und Achtzigerjahre der BRD unternehmen, empfiehlt sich dieser Tage ein Blick in die Arte-Mediathek: Anlässlich seines 40. Todestages gibt es dort eine ganze Reihe alter Fassbinder-Filme zu sehen, die in ihrer Erzählstruktur und Ausstattung aus der Zeit gefallen wirken. Alles aus diesem Fassbinder-Universum finde ich schon immer äußerst faszinierend. Und dann gibt es noch ein Kino-Highlight, auf das ich mich sehr freue: das Biopic „Elvis“ von Baz Luhrmann. Der Trailer ist schon mal äußerst vielversprechend!

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