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Videoausstellung : Doug Aitken lädt in London zum Bad im "new ocean" ein

  • -Aktualisiert am

Doug Aitken, „new ocean”, Videostill, 2001 Bild: Serpentine Gallery

Die Londoner Serpentine Gallery widmet ihr Haus einem Videokünstler. Das Museum arbeitet jetzt mit der Kölner Kunstbuchhandlung König zusammen.

          Erschauern kann man in dieser Ausstellung, die durch den Heizungskeller hinauf in völlig umgestaltete Ausstellungsräume der Serpentine Gallery am Rand des Londoner Hydeparks führt. Dem amerikanischen Videokünstler Doug Aitken ist es gelungen, das Publikum durch eine Eis- und Meerlandschaft im elektronischen Fluss der Medien zu Wahrnehmungen zu führen, die gespenstisch leer erscheinen.

          Der 33-jährige Aitken, dem vor zwei Jahren der Preis der Biennale von Venedig zuerkannt wurde, konnte mit den Räumen des ehemaligen Teehauses machen, was er wollte. Um die Besucher aus ihrem gewohnten Trott herauszureißen, verlegte Aitken den Eingang zur Ausstellung in die Unterwelt. Über eine öffentlich sonst nicht zugängliche Kellertreppe gelangt man in einen Heizungsraum. Dort stößt der Besucher auf drei Videoprojektionen von Eislandschaften: Eisblumen, knackendes Eis, tropfendes, schmelzendes Eis, Regengepladder auf Glasscheiben, Schneelandschaften, Schneegestöber, Gletscher auf den Kopf gedreht. Die langsam bewegten Bilder werden von scharfen digitalen Geräuschen begleitet. Man gerät in eine Welt der Elemente, auf eine nachzivilisatorische Zeitschiene, die allein ihren Aggregatsveränderungen lebt.

          Einstieg in eine neue Weltwahrnehmung

          Dieser "Einstieg", im wahrsten Sinne des Wortes, wirkt wie eine eiskellerkalte Vorhölle. Er stimmt auf eine Wahrnehmungsebene ein, die Zukunft heißt. Aufgestiegen aus den Katakomben, gelangt der Betrachter ins Innere der Galerie und findet sich in einer finsteren Raumlandschaft, die nur punktuell von Videoprojektionen erleuchtet wird. In der Mitte wird das Thema der Entropie (Verlaufsrichtung eines Wärmeprozesses) weiter ausgeführt. Dort tropft und knackt es, die vergrößerten Bilder spiegeln sich selbst. Dieses Motiv der Spiegelung führt Aitken weiter an der Figur eines Mannes und einer Frau aus, die sich an den Armen hängend wie um eine Turnstange jeweils um das Zentrum von vier Projektionswänden schwingen.

          Doug Aitken „new ocean”, Ausstellung Serpentine Gallery, London 2001

          Es geht also nicht allein um das, was man sieht, sondern um die Kräfte dahinter. Wie schon früher, kreist Aitken in dieser gigantischen Installation das langsame Freiwerden elementarer Energien ein. Dabei begibt man sich durch eine völlig artifizielle Soundlandschaft, die das Ganze verödet leer scheinen läßt. Das, was man sieht, erscheint fremdartig. Das, was man nicht sieht, ist hingegen vergessen, als wären alle Erinnerungen an der Kellertreppe hängen geblieben.

          Aitken sucht die Zukunft an den Rändern, in der Leere der Landschaften, die bei ihm eine Welt wie nach einer Katastrophe heraufbeschwören. Ein Werk, das nach dem 11. September kaum mehr utopisch erscheint. Eine Idee, an der Aitken seit Jahren arbeitet.

          Wäre da nicht ein Gitarrenspieler, der plötzlich die Spannung elektronischer Geräusche sentimental durchbricht und wäre da nicht die Wiedergabe wässriger Landschaften in Slow Motion, die an den schon avancierteren amerikanischen Videokünstler Bill Viola erinnerten, man könnte meinen, in dieser Ausstellung neu geboren zu werden.

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