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Vertonte Liebe : Putin on the Ritz

  • -Aktualisiert am

Der russische Präsident steht im Dauerfeuer der Kritik. Das Liebesbekenntnis „Mein Putin“ der Sängerin Mashany will das jetzt mit den Mitteln des Russenpop ändern.

          Die russische Popszene hat einen neuen Putin-Song. Eine bisher unbekannte Nowosibirsker Sängerin mit Künstlernamen Mashany widmet darin dem vom Glück verlassenen Präsidenten ein offensives Liebeslied, worin sie sich selbst zur Personifikation Russlands, aber auch der Ukraine stilisiert.

          Der Videoclip von „Mein Putin“, den sie strategisch kurz nach Erscheinen ihres ersten Albums „Mysterious Journey“ ins Netz stellte, zeigt die hochgewachsene, blondbezopfte Mashany, die ihren wirklichen Vornamen mit Maria angibt,  wie sie im langen Gewand in den Farben der russischen Fahne - roter Rock, blaue Schärpe, weiße Bluse - in goldener Nachmittagssonne auf abgemähtem Acker steht, wo sie von einem Putin ähnelnden Motorradfahrer träumt und, als wäre sie die heimatliche Natur selber, sehnsüchtig die Arme nach ihm ausstreckt.

          „Auch wenn an allen Fronten Krieg droht, bist du ohne Furcht“, trällert sie mit kernigem Mezzosopran den selbstgedichteten Text zu einer armseligen kleinen Melodie, der das für Russenpop obligatorische monoton hämmernde Schlagzeug Energie verleihen soll. „Du holst die Krim heim, du lässt die Union wieder auferstehen“ - natürlich ist die Sowjetunion gemeint -, heißt es ganz unverblümt. Dazwischen erscheinen aber auch immer wieder Videobilder einer anderen Mashany, die, im blaugelben Tunikakleid, also in den ukrainischen Farben, mit verschrecktem Gesichtsausdruck durch dunkle Gemäuer irrt, die natürlich den „Kerker“ des neuen, prowestlichen Regimes symbolisieren.

          Doch bei der Wiederholung des Refrains „ich bin bezaubert und verhext, ich kann dich nicht vergessen“ stimmt das ukrainische Selbst plötzlich mit ein, singt ihn im fliegenden Wechsel mit dem russischen und findet am Ende des Clips den Weg ins Freie. Es habe sie gelangweilt, immer nur von Liebe zu singen, es gebe auch andere wichtige Themen, begründet das neunundzwanzig Jahre alte Sternchen lässig den taktischen Karrierevorstoß. Auf der eigenen Internetseite lässt sie wissen, sie habe große Pläne, und verspricht, die Öffentlichkeit werde von ihr noch hören. Und wirklich: Angesichts der katastrophalen allgemeinen Stimmung und Wirtschaftslage, wo es immer weniger zu verteilen gibt, zielt diese Diana unfehlbar auf den, der jede Unterstützung nötig hat.

          Das scheint auch den Internetnutzern klar zu sein, deren Kommentare zu „Mein Putin“ einem zornigen Trommelfeuer gleichkommen. Das erbärmliche Lied sei die banale Umkehrung von „Pussy Riot“, empört sich User Kirill. „Prost Mahlzeit!“, giftet sein Kollege Alex. „Klar, wir brauchen nur Putin, nicht etwa Gehälter, Renten, Schulen und Ärzte!“ Manche sarkastische Repliken stammen auch von Ukrainern, oder sie werden von russischen Nutzern für solche gehalten. Dann brechen die Dämme vollends, und das Forum versinkt im Pulverdampf der Flüche.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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