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Mosaiken der Hagia Sophia : Unter den Augen der Engel

Vier Engel flankieren die Kuppel an der Decke des Innenraums der Hagia Sophia. Bild: Picture-Alliance

Kaiser, Propheten und Seraphim: Die großartigen christlichen Mosaiken der Hagia Sophia könnten wegen des islamischen Bilderverbots bald hinter Stoffbahnen verschwinden.

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          Eine der vielen Legenden, die über die Hagia Sophia existieren, berichtet von einem Engel, der seit Anbeginn in dem Gebäude lebt. In der Erzählung aus byzantinischer Zeit wird sogar der Ort beschrieben, an dem er sich eingerichtet haben soll: rechts an einer Säule, wo der Bogen zur Kuppel aufsteigt. Eines Tages, so will es die Legende, zu einer Zeit, als die Basilika noch nicht fertiggestellt war, seien alle Bauarbeiter plötzlich zum Hof des Kaisers gerufen worden. Einer von ihnen blieb als Wache zurück. Da sei ein Junge gekommen und sagte dem Mann, er solle die Männer zurückholen, damit weitergearbeitet wird: „Ich wache so lange an deiner Stelle, so wie es mir vom Herrn befohlen wurde.“

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Glaubt man der Legende, dann lebte der Engel schon seit mehr als tausend Jahren in der Hagia Sophia. Er hätte dann immer wieder den Einzug und Auszug von Arbeitern erlebt. Seitdem das großartige Bauwerk existiert, wurde immer an der Dekoration des Innenraums gewerkelt. Je nach religiös-politischer Gemengelage wurden Elemente hinzugefügt, verdeckt, Mosaike komplett entfernt oder mühsam wieder von Putz befreit. Die großen Rundschilde an den Hauptpfeilern beispielsweise, auf denen in arabischer Kalligraphie auch der Name Allah steht, sind osmanischen Ursprungs. Nach der Umwandlung in ein Museum entfernte man sie und brachte sie, weil Imame lautstark protestierten, dann doch wieder in der Hagia Sophia an.

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