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Verschollenes Flugzeug : Was geschah mit MH 370?

Die amerikanische Firma DigitalGlobe hat Bilder aus der Region ins Netz gestellt, in der MH 370 sich das letzte Mal meldete. Jeder kann bei der Suche nach dem Flugzeug helfen. Bild: Screenshot F.A.S. / Tomnod.com

Ein Flugzeug löst sich in Luft auf. Daten verstummen. Gerüchte sprechen. Eine Woche mit dem Kopf in den Wolken.

          5 Min.

          Gleich am Anfang meiner Suche nach MH 370 finde ich Öl. Eine Bohrinsel. Man sieht den Landeplatz mit dem „H“ für den Hubschrauber und ein Schiff nahebei. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wo ich bin über dem Golf von Thailand – oder ist das schon das Südchinesische Meer? –, als ich die Plattform sehe und erst mal vor Schreck zusammenfahre: weil da im ewigen Mitternachtsblau plötzlich eine eckige Struktur auftaucht, keine Schaumkrone, sondern menschengemacht.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Verschwommene Erinnerungen: Frühmorgens kurz vor Singapur, die schallschluckenden Kopfhörer absetzen, die Schlafbrille herunterziehen, die Besatzung bringt das Frühstück, Geruch von Linienflugkaffee und Aufbackcroissants, das Schiebefenster aufziehen, und da ist die Straße von Malakka im Dunst unter uns und Schiffe und Wolken, der grüne Rand eines Landes, Malaysia.

          Erinnerungen, Bilder, Schaumkronen - aber keine Spur

          Und genauso hänge ich jetzt über den Wellen und Schaumkronen in den Wolken vor den Bildern von DigitalGlobe: Die Firma hat Satellitenfotos aus der Gegend ins Netz gestellt, wo die Maschine der Malaysia Airlines verschwunden sein könnte, welche seit Tagen vermisst wird. Sie war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking, dann ist sie um halb zwei in der mondlosen Nacht verloren gegangen. Vielleicht ist sie umgekehrt und wieder nach Westen geflogen, da gibt es die Radarmeldung eines unidentifizierten Flugzeugs – also wird auch in der Straße von Malakka gesucht. Das Gebiet dehnt sich immer weiter aus, je weniger man weiß. Australien, Pakistan, Indien?

          Ein bisschen kolonial, komplett unpassend, schwer abzuschütteln: das Fernweh, das aufkommt, wenn man diese Orte hört, das Südchinesische Meer, die Straße von Malakka, wie eine Geschichte mit Corto Maltese. Und dann noch die Fotos dazu anschaut: Genau so also sahen die Wellen im Golf von Thailand aus oder im Südchinesischen Meer, an einem sehr frühen Sonntagmorgen vor einer Woche. (Oder damals, verschlafen, verschwommen, über der Straße von Malakka.)

          Der Schwarm ist zu groß, die Telefone klingeln

          Die digitalen Bilder sind datiert. „SUN 3/9/2014 2:59 AM“, fast genau zwei Tage nach dem letzten verbrieften Kontakt mit der Maschine, aber ständig bricht die Seite zusammen, weil der Schwarm der Leute, die MH 370 auch finden wollen – wie die Schiffe und Aufklärungsflugzeuge, die in der Region unterwegs sind – offenbar einfach zu groß ist für den Server. Schon am Dienstag sollen es achtzigtausend Leute gewesen sein.

          Nichts in Sicht: MH370 scheint sich in Luft aufgelöst zu haben.
          Nichts in Sicht: MH370 scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. : Bild: dpa

          Ein Flugzeug löst sich in Luft auf, wie der Kondensstreifen, den es hinter sich hergezogen hat.

          Angeblich klingeln die Telefone der Passagiere noch.

          Sie tun es in Wirklichkeit gar nicht, es sind nur Ortungssignale, Verbindungsaufbau: Ein Handy sucht das andere, und wenn es nichts findet, bricht die Leitung ab, bis dahin aber hören die Angehörigen der Passagiere ein Freizeichen, wenn sie die Nummer ihrer Liebsten wählen. Aber vielleicht klingelt es ja doch irgendwo? Keiner weiß das, außer denen, die seit Tagen gesucht werden.

          Ich mache einen Screenshot. Eine fingernagelkleine Bohrinsel in einem riesengrauen Meer. 3200 Quadratkilometer hat DigitalGlobe abgebildet. Aber reicht das? Am nächsten Tag lese ich irgendwo im Netz, ein Mitarbeiter von einer Ölbohrinsel im Südchinesischen Meer habe ein brennendes Flugzeug am Himmel gesehen, das könnte, müsste, sollte doch MH370 gewesen sein. Jemand hat den Ausdruck einer E-Mail fotografiert, in der dieser Mann an die Behörden schreibt, was er gesehen haben will. Als wären eine E-Mail und ein Foto ein Beweis.

          Erstaunlich viele Zwischenfälle erstaunlich seriöser Gesellschaften

          Es geistern so viele Meldungen herum, dass eine seriöse Website wie avherald.com, die Berichte über Flugzeugzwischenfälle auf der ganzen Welt dokumentiert, die Kommentarfunktion unter ihrem Bericht über MH 370 phasenweise abschaltet. Weil dort einfach zu viel Stuss aus seltsamen Quellen zusammengekommen ist. Sich diese Seite länger anzuschauen tut nicht gut,weil man selbst verloren geht in all den harten Landungen, Turbulenzen und geborstenen Fahrwerken. Erstaunlich viele Zwischenfälle von erstaunlich renommierten Gesellschaften. Seit MH370 verschwand – von avherald.com schon als „Crash“ sortiert –, musste eine Maschine von US Airways in Philadelphia ihren Start abbrechen, Reifen geplatzt. Eine andere von All Nippon Airways kehrte zurück zum Flughafen von Tokio und verbrannte Kerosin dabei, weil der Rumpf beim Start möglicherweise aufgesetzt hatte.

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