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Vermieten mit „Airbnb“ : Meine Wohnung wird immer sauberer

  • -Aktualisiert am

Echte Schönheiten lagen schon in diesem Wiener Schreibstubenbett Bild: Lottmann

Schluss mit der Verteufelung des Share-Gedankens: Wie ich meine Wohnung bei „Airbnb“ anbiete und dabei nicht nur reich werde, sondern auch ein aufregendes Leben führe.

          Letzte Woche stand wieder ein kritischer Bericht über „Airbnb“ und die neue „Share“-Bewegung im „Spiegel“, und ich fühle mich nun herausgefordert, meine eigenen Erfahrungen aufzuschreiben. Ich habe nämlich selbst meine Wohnung untervermietet.

          Kurz: Für mich und meine Frau Christa war es toll. Irgendwie zog eine neue Stimmung in unser Leben ein, ein Geist von Solidarität und . . . sagen wir ruhig: Globalisierung. Und schon bald war so viel zusätzliches Geld auf unser Konto gespült worden, dass wir selbst andauernd verreisten. Es regnete ja Gegeneinladungen, was aber nicht der Grund war, eher eine Geste, ein Appetizer, ein weiterer Anreiz. Doch der Reihe nach.

          In den nuller Jahren hatte ich mich in Berlin durchgeschlagen, der niedrigen Mieten wegen. Ich hatte es sogar geschafft, mir dort für einen unfassbar niedrigen Betrag eine winzige Ein-Zimmer-Wohnung zu kaufen, im Bötzowviertel, rechtzeitig bevor die Gentrifizierung einsetzte. Dadurch sanken meine Wohnkosten noch weiter. Für weniger als zweihundert Euro im Monat hatte ich eine Bleibe - für immer. Das war wahnsinnig beruhigend, aber nun saß ich in Berlin fest, der Stadt der Verlierer und Absteiger.

          Meine Ressentiments schmolzen dahin

          Vor drei Jahren schaffte ich dennoch den Absprung. Ich hatte Christa kennengelernt und zog in ihre hochherrschaftliche Wohnung in Wien. In der Stadt des Bürgertums und Wohlstands musste ich natürlich eine eigene Wohnung haben und mietete zumindest eine elegante Schreibstube an. Hier sollte ich nach dem Willen meiner Frau und Wiener Freunde weitere Romane verfassen. Tatsächlich schrieb ich lieber in der großen ehelichen Wohnung - die andere stand nun meistens leer. Sie war sympathisch, eigentlich ganz charmant, daher gab ich sie nicht weg. Auch gaben mir meine Freunde zu verstehen, ich müsse unabhängig bleiben. Die Idee, „Airbnb“ einzuschalten, war nun naheliegend.

          Alles wie geleckt: Selbst die Putzfrau kann man sich bei saubren Gästen sparen

          Ich nahm siebzig Euro die Nacht und hatte die Miete schon beim ersten Gast wieder eingenommen. Es war ein junges Paar aus Indien, das eine Woche blieb. Ganz reizende Leute. Er studierte Architektur in Barcelona, sie IT-Wissenschaften in Delft. Geboren waren sie in Bangalore, Indien, das ich auch ganz gut kannte. Wir verstanden uns wunderbar, und die Ressentiments, die ich früher gegen Ausländer gehabt hatte, schmolzen dahin wie Schnee in der Sonne.

          Das „Airbnb“-System empfahl mir, den Preis zu erhöhen. Mindestens neunzig Euro sollte ich nehmen. Es sei immerhin eine ganze Wohnung, mit Bad, Flur, Küche, zwei wenn auch kleinen Zimmern im angesehenen Zweiten Bezirk. Aber ich hatte schon so viele Anfragen, die sich auf den alten Preis bezogen, dass ich lieber die Bewerber streng selektierte: Nur Westeuropäer? Nur junge Frauen? Jeder musste ja ein Foto von sich und eine Selbstdarstellung schicken. Nur Leute mit besten Bewertungen? Jeder Gast wurde bei „Airbnb“ genauestens bewertet. Auch ich bewertete streng. Es gab eine öffentliche Bewertung und eine weitere, die der Gast nicht sehen konnte (bei Letzterer trug ich unbestechlich kleine Fehlverhalten ein, etwa „Die Person wirkt ein bisschen exaltiert und scheint den kleinen Dingen des Lebens nicht gewachsen zu sein“). Sollte ich eine hohe Kaution verlangen? Oder einen üppigen Aufschlag für „die zweite Person“? In der Regel war eine Einzelperson der Mieter, aber er durfte jemanden mitbringen.

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