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Verlagsübernahmen : Ab an die Bar!

Die Berliner Aufbau-Gruppe kaufte den kleinen Blumenbar-Verlag. Damit glückte Geschäftsführer Tom Erben, woran er im vergangenen Jahr scheiterte. Doch was passiert mit Suhrkamp?

          Das Wort Verlag kommt nicht von Verlegenheit. Wer sich in der Buchbranche einer Verbindung schämt, wo genau man sich verlobt hat und wie hoch die Mitgift ist, interessiert alle. Mitspielen möchten sie beim Reigen auch, wenngleich manchem bei den Rochaden übel mitgespielt wird. So wurde jetzt bekannt, dass die Berliner Aufbau-Gruppe den kleinen Blumenbar-Verlag kauft. Gleichzeitig klagt bei Suhrkamp der eine Eigentümer gegen den anderen, und am liebsten möchten sie einander vom Hof jagen. Über die Summe, die Aufbau für Blumenbar bezahlt, ist nichts bekannt.

          Die nicht unbedingt unfreundliche Übernahme beendet gleichwohl die zehnjährige Ära eines spannenden unabhängigen Hauses, das neben dem abgefahrenen Hunter S.Thompson oder dem abgeschriebenen Airen auch Artisten wie Leonard Cohen oder Tracey Emin ein Forum bot. Unter Aufbau-Aufsicht soll Blumenbar sein Independent-Flair behalten; doch dem Verlagsmitbegründer Wolfgang Farkas wurde die verlegerische Verantwortung genommen. Er soll künftig im ganzen Haus beraten und sich um events kümmern, zum Beispiel in der Aufbau-Bar „Prince Charles“. Das sagte der Geschäftsführer Tom Erben dieser Zeitung.

          Die Shoppingtour ist nicht vorbei

          Damit ist Erben jetzt geglückt, woran er im vergangenen Jahr spektakulär scheiterte, als er nämlich Eichborn übernehmen wollte. Das insolvente Haus mit der Stubenfliege im Signet zog nach langem Hin und Her schließlich nicht nach Berlin, sondern nach Köln zum Bastei-Lübbe-Verlag. Dort aber wollte man nur die schrillen Eichborn-Bücher - weshalb die erlesene „Andere Bibliothek“ übers Eck zu Aufbau kam. Deshalb klingt es auch höchst unwahrscheinlich, wenn Gerüchte besagen, ausgerechnet Bastei Lübbe, die Kölner Festung fürs Populäre, buhle um Suhrkamp.

          Im Moment dürften, wie gesagt, die Suhrkamp-Eigner zu sehr mit sich selbst beschäftigt sein. Müssen sie doch vor Gericht ihre Verhältnisse ordnen, nachdem der Hamburger Miteigentümer Hans Barlach gegen die Mehrheit bei Suhrkamp klagt. Barlach besitzt zwar nur 39 Prozent, bot aber bereits im März vor dem Berliner Gericht an, auch die restlichen 61Prozent zu übernehmen. Vielleicht kommt am Ende wieder alles anders, und die Mehrheitseigentümer werfen Barlach raus. Bei Aufbau ist derweil der Name Programm: Man ist nicht am Ende der Shoppingtour. Da gibt es noch den einen oder anderen unabhängigen Verlag, den Tom Erben im Visier hat.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

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