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Verlagsmann Klaus Eck : Es gibt zu wenig gute Bücher

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Head of Innovation mit vierundsechzig Janren: Klaus Eck Bild: Roeder, Jan

Fast dreißig Jahre lang war er oberster Verleger von Random House Deutschland. Im Pensionsalter soll er die größte deutsche Verlagsgruppe auf die Zukunft einschwören. Dabei setzt er auf Geld und Liebe.

          8 Min.

          FRAGE: Hand aufs Herz: Können Sie alle Imprints von Random House aufzählen?

          ANTWORT: Ich denke schon, es sind jetzt 45. Es ist gar nicht so schwierig, weil es zwei Verlagstypen gibt - solche, die wir gegründet haben, und solche, die wir zugekauft haben. Bei den Gründungen haben wir häufig das Modell gepflegt, mit Verlegerpersönlichkeiten einen Verlag zu machen - beginnend mit Siedler, Knaus, Blessing, bis hin zum Riemann Verlag. Und wir haben deutlich mehr selbst gegründet als gekauft.

          Wie viele Verlage gab es unter dem Dach von Bertelsmann, als Sie 1981 dort anfingen?

           Ich kam von Lübbe zum Goldmann-Verlag, den Bertelsmann erworben hatte, als Cheflektor. Goldmann war damals ein wenig angestaubt. Nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit kam mir die Aufgabe zu, die Verlage C. Bertelsmann, Blanvalet, Mosaik, Südwest und Goldmann zur Verlagsgruppe Bertelsmann zusammenzufassen - das war’s, fünf Verlage.

          Seit 1998 firmieren die Bertelsmann-Verlage unter der Dachmarke Random House, 2003 kam mit Heyne noch ein großer Wettbewerber dazu. Die Diskussion damals war schrill. Der dtv-Verleger Wolfgang Balk geißelte Bertelsmann in dieser Zeitung als „aggressiv-imperialistisches Unternehmen“, das ein Monopol anstrebe.

          Auch Michael Krüger von Hanser und andere Kollegen haben damals hoch kritisch Stellung genommen. Größe an sich ist immer unangenehm, David ist immer beliebter als Goliath. Aber es ist uns im Lauf der Jahre gelungen, mit der Qualität von Einzelverlagen ein größeres Ganzes zu gewinnen. Ohne auf schiere Macht oder einen Verdrängungswettbewerb zu setzen.

          Aus heutiger Sicht haben Sie das ziemlich geräuschlos gemacht.

          Es war eben nicht „gemacht“. Diese Haltung speist sich aus dem Selbstverständnis der einzelnen Verlage. Sie können nicht einen Moloch verlegen. Aber wir haben auch Lehrgeld gezahlt. Als wir Luchterhand übernahmen, hat man Christa Wolf gewarnt, sie könne doch nicht unter einem Verlagsdach mit Dieter Bohlen, der bei Heyne verlegt wurde, leben. Sie wäre natürlich in der Luchterhand-Welt geblieben, aber am Ende haben ihre Einflüsterer unter anderem mit diesem politischen Argument dafür gesorgt, dass Christa Wolf zu Suhrkamp wechselte - ein herber Verlust für Luchterhand.

          Stichwort Konzernverlage: Der CEO von Random House, Markus Dohle, führt von New York aus den weltgrößten Publikumsverlag Penguin Random House. Wie viel Auslauf haben Sie?

          Wir haben ein extrem hohes Maß an Unabhängigkeit, weil Markus Dohle weiß, dass Amerika zwar eine Vorreiterrolle spielt, aber er weiß auch, dass man keinen Trichter erfinden kann, in den man oben Autoren und Rechte hineinstopft, und unten kommen sie in den einzelnen Ländern erfolgreich wieder heraus. Ich erinnere auch an die Frage von Thomas Middelhoff, der seinerzeit sagte: Wir haben John Grisham in unserem Verlag Doubleday, wie kann es sein, dass er in Deutschland bei Hoffmann & Campe erscheint? Aber es gibt zwischen Autoren und Verlagen eben auch noch Agenten, und der hat im Falle Grishams die Rechte nach bestem Wissen für den Autor vermarktet. Das war etwas, was der Konzern lernen musste.

          Wie lokal ist das Buchgeschäft wirklich?

           Es gibt zwei Bewegungen. Neben lokal erfolgreichen Autoren gibt es heute an die fünfzig Weltautoren, die in jedem Land funktionieren. Natürlich gibt es gesellschaftliche Phänomene, die als Buch länderübergreifend interessant sind, bei denen es Sinn machte, über die Grenzen hinweg Rechte zu erwerben. Aber das scheitert meist an den abgehobenen finanziellen Vorstellungen der Agenturen.

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