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Verlagsmann Klaus Eck : Es gibt zu wenig gute Bücher

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Der Wind bläst der Branche seit zwanzig Jahren aus Seattle ins Gesicht: Amazon ist das schlagende Beispiel, dass es mit der Solidarität in der Buchbranche nicht weit her ist. Derzeit wird viel geraunt, man sollte endlich den Versender boykottieren. Passieren tut nichts.

Das Thema ist zwiespältig. Amazon hat den Verlagen in Sachen Reichweite extrem geholfen. Die Firma arbeitet präzise und herausragend gut, von der vertrieblichen Seite ist ihr schwer am Zeug zu flicken. Die Frage ist: Wie weit wird Amazon die verlegerische Option ziehen? Nach den Verlagen geraten dann die Autoren in eine Erpressungssituation. Deswegen ist der Schulterschluss zwischen Autor, Agent und Verlag entscheidend. Nur in dieser Dreieinigkeit erreichen wir etwas. Die Verlage müssen definieren, warum sie wichtig sind für Autoren. Warum sie, anders als Amazon, eine Rundumbetreuung für den Autor bieten - damit der Autor auf allen Plattformen jederzeit vertreten ist.

Und die Selfpublisher? Wie schätzen Sie deren Marktpotential ein?

Wir beobachten sehr genau, was aus dieser Schrotflintenverlegerei herausragt, was für uns in Frage kommen könnte. Heute finden Sie tatsächlich Autoren über Youtube oder auf Whatsapp. In dieser Richtung will ich in den nächsten Jahren weiterarbeiten.

Neuerdings mit dem Titel „President Content und Publishing Innovation“.

Anyway, ich bin gespannt. Für einen Vierundsechzigjährigen ist es doch spannend, Head of Innovation zu werden. Ich frage mich schon, wo wir in zehn Jahren stehen werden. Der Trend geht wohl zu den großen Marken wie Goldmann, Heyne, C. Bertelsmann.

Welchen Leser interessiert denn auf dem Massenmarkt der Verlagsname?

Der Verlagsname ist für den Autor wichtig, das ist die einzige Relevanz. Dem Leser ist das egal. Wer Urlaubslektüre sucht, geht zum Ständer von Rowohlt, dtv oder Goldmann. Das sind gelernte Verhaltensweisen. Aber auch das verwischt zunehmend, weil die Verlage sich im Auftritt angenähert haben.

Arno Schmidt kam in der alten Bundesrepublik mit sechzig Millionen Einwohnern auf gerade mal dreihundert wirkliche Leser. Mit wie vielen rechnen Sie?

Das mag für „Zettel’s Traum“ gelten, aber wenn ich achtzig Millionen Bundesbürger habe, rechne ich mit drei bis fünf Millionen, die mindestens einmal im Monat ein Buch kaufen.

Kaufen? Oder auch lesen? Viele Bücher werden offenkundig verschenkt. In diese Kategorie dürfte auch der Bestseller „Die Schlafwandler“ zählen. Der hat seit seiner Veröffentlichung Anfang September 2013 einen Start-Ziel-Sieg unter den Titeln zum Ersten Weltkrieg eingefahren. Inwieweit war dieser Erfolg planbar?

 Erstens ist der australische Historiker Christopher Clark ein ausgezeichneter Erzähler in der englischen Erzähltradition und spricht dazu fließend Deutsch. Und zweitens muss man bei solchen Jahrestagen sehr genau überlegen. Das Timing ist entscheidend, und die Erfahrung. Bei internationalen Ausgaben versucht man trotz der Übersetzung möglichst nah an den Erscheinungstermin heranzurücken. Wir wollten mit Aplomb das erste Buch sein - das ist klassisches Marketing. Der Erfolg muss in den ersten vier Wochen kommen, nachgeholte Bücher sind schwierig durchzusetzen.

Das widerspricht der Langlebigkeit stiller Bestseller, die sich über Jahre kontinuierlich verkaufen.

Die sind der Traum eines jeden Verlegers, aber es gibt sie immer seltener. Wir sind ein sehr fokussiertes Novitätengeschäft geworden. Im Kinder- und Jugendbuch sieht es anders aus, dort ist der Backlist-Anteil viel höher.

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