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Edo Reents (edo.)

Verlagsbotschaften : Michael Krügers Adventskalender

  • -Aktualisiert am

Immer für ein Anekdötchen gut: Michael Krüger mit Eis auf der Frankfurter Buchmesse 2013 Bild: Frank Röth

Michael Krüger hält sich noch ein Hintertürchen offen: In seinem Adventskalender gewährt der scheidende Hanser-Verleger manch intimen Blick auf seinen Schreibtisch und in seine Seele.

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          Zuerst hatten wir der Sache keine große Beachtung geschenkt: eine Mail vom Hanser-Verlag. Irgendetwas mit Michael Krüger und einem Adventskalender. Sieh mal an, will Michael Krüger uns etwa einen schicken? Immer her damit, wenn möglich mit Schokolade. Aber so war es nicht. Vielmehr scheint der legendäre Verleger das Prinzip Adventskalender irgendwie in die digitale Zeit hinüberretten und darin auch gleich pfiffig anwenden zu wollen – indem nun täglich eine Mail kam mit einem, wie der Verlag neckisch mitteilt, „Türchen“.

          Aus solcher Hartnäckigkeit schließen wir, dass man sich in München vielleicht über ein dementsprechendes Resonänzchen freuen würde. Nachdem es in dieser Angelegenheit aber bisher merkwürdig still geblieben ist, haben wir uns dazu entschlossen, uns mit einer ersten Einschätzung aus der Deckung zu wagen, die dann aber schon als abschließende verstanden werden muss, denn die Zeit drängt, und dass noch Lieferungen kommen, die ein gesondertes Aufhebens rechtfertigen würden, danach sieht es, ehrlich gesagt, nicht aus. Michael Krüger sitzt nämlich vor einer Kamera, teilt uns Begebenheiten aus seinem Berufsleben mit, nimmt ein gutes oder ein schlechtes Buch zur Hand und zeigt sogar richtige Postkarten her, eine noch mit Bundespräsident-Heinemann-Briefmarke: „Meistens waren es ja Grüße.“

          Tja, lieber Meister, da sagen Sie was! Viel passiert also nicht. Michael Krüger tut die ganze Zeit so, als wäre er schon uralt und nicht erst siebzig. Aus der Tatsache, dass er immer dasselbe anhat, schließen wir, dass die 24 takes in einem Aufwasch gemacht wurden. Anfangs wirkt der große Melancholiker dabei regelrecht aufgekratzt. Doch dann findet er schnell in seinen typischen groove. Auch wenn uns die minimalistische performance im Prinzip zusagt, müssen wir doch feststellen, dass in puncto Unterhaltsamkeit noch Luft nach oben ist. „Manchmal“, so lesen wir in einer Folge, „wird auch gelacht bei uns im Verlag. Zum Beispiel, wenn unser Verleger Witze erzählt.“ Einer geht so: „,Ordnung muss sein‘, sprach der Anarchist und warf die Bombe ins Rathaus.“ Überboten wird das eigentlich nur noch von einem bonmot, das im Hinblick auf die verlegerische Praxis tiefer blicken lässt, als Krüger lieb sein kann: Schafe seien „die besten Leser – sie verstehen nämlich gar nichts“.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

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