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Verlage : Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld ist tot

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Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld ist tot Bild: dpa

Unseld starb am Samstagmorgen nach langer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren.

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          Siegfried Unseld, einer der bedeutendsten Verleger der Nachkriegszeit, ist tot. Der Verleger des Suhrkamp-Verlages starb am Samstagmorgen nach langer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren. Eine Herzattacke und andere gesundheitliche Komplikationen hatten den Verleger bereits in diesem Sommer zum Rückzug aus dem aktiven Verlagsgeschehen gezwungen. Seit 2001 leitet Günter Berg das Haus. Zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse konnte Unseld nicht mehr kommen.

          Seit 1959 war Unseld Verleger des Suhrkamp-Verlages und prägte mit einem intellektuell und künstlerisch anspruchsvollen Programm das geistige Leben der Bundesrepublik. Marcel Reich-Ranicki bezeichnete Unseld als „eine der stärksten Persönlichkeiten des Kulturlebens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Er habe das geistige Leben des ganzen deutschsprachigen Raums geprägt wie kein anderer Verleger je. Bundespräsident Johannes Rau würdigte Unseld am Samstag in Darmstadt in seinem Grußwort bei der Verleihung des Georg-Büchner-Preises: „Er hat die Literatur der Nachkriegsgeschichte geprägt, eigenwillig und oft umstritten“.

          Fast bis zum Schluss traf Unseld alle wichtigen Entscheidungen im Verlag selbst. Nur die hausinterne Debatte um Martin Walsers angeblich antisemitisches Buch „Tod eines Kritikers“ fand ohne den Verleger statt: Unseld lag schwer krank im Bett und wurde aus gesundheitlichen Gründen von dem Skandal abgeschirmt. Walser sagte zum Tod Unselds: „Er wird den einen mehr, den anderen weniger fehlen. Mir mehr."

          Loyalität zum Autor höchstes Gebot

          Unter den von ihm geförderten und verlegten Autoren sind Max Frisch, Martin Walser, Peter Handke, Rainald Goetz, Peter Weiss und Thomas Bernhard. Unseld sah sich nach eigenen Worten als „literarische Hebamme, Analytiker, Geschäftsmann und Mäzen“ in einer Person. Unbedingte Loyalität zum Autor war sein oberstes Gebot. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, sagte am Samstag: „Es hat keinen Verleger im letzten Jahrhundert gegeben, der so viel angestoßen hat und mit einer solchen Verve hinter seinen Autoren gestanden hat wie Siegfried Unseld.“ Unseld sei für viele Autoren „eine Vaterfigur“ gewesen. Viele der von Unseld protegierten Autoren wurden wie Nelly Sachs mit einem Nobelpreis geehrt.

          Die Frage nach einer Nachfolge blieb lange offen. Als Unseld schon das Rentenalter erreicht hatte, überwarf er sich mit seinem Sohn Joachim, der nicht länger auf eine Übernahme warten wollte. Auch danach wurde die Nachfolgefrage nicht dauerhaft geklärt. Schließlich wählte Unseld eine andere Lösung: Um „Kontinuität und literarischen Apspruch der Suhrkamp-Insel-Gruppe zu wahren“ wurde im Juni 2002 ein Stiftung gegründet. Vorsitzende ist Unselds Witwe, die Autorin Ulla Berkéwicz. Im Stiftungsrat sitzen namhafte Suhrkamp-Autoren wie Hans Magnus Enzensberger oder Jürgen Habermas. Zum Verlagsimperium gehören inzwischen neben dem Suhrkamp Verlag unter anderem der Insel Verlag, der Theaterverlag und der Jüdische Verlag, in der „edition suhrkamp“ erscheinen Wissenschaftstitel.

          Hesse als Arbeitsschwerpunkt

          Unseld wurde am 28. September 1924 in Ulm geboren. Nach dem Kriegsdienst absolvierte er beim Ulmer Aegis Verlag eine Lehre als Verlagskaufmann. 1947 begann er sein Studium der Germanistik, Philosophie, Nationalökonomie, Völkerrecht, Bibliothekswissenschaften und Sinologie. 1951 promovierte er mit einer Dissertation über Hermann Hesse zum Doktor der Philosophie. Im Januar 1952 trat er in den zwei Jahre alten Frankfurter Suhrkamp Verlag ein, in dem die Betreuung des Werkes von Hermann Hesse zu einem der Schwerpunkte seiner Arbeit wurde.

          „Mit den Angehörigen trauern die Freunde, die Mitarbeiter und die Autoren in aller Welt“, teilte der Verlag am Abend mit. Unseld war zwei Mal verheiratet und hat einen Sohn.

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