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Verkaufsverbot : Berliner Spätis

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Wer hätte gedacht, dass es ausgerechnet die Spätkäufe sind, welche die öffentliche Ordnung gefährden? Zum 1. Mai sollen die liebevoll betitelten „Spätis“ in Berlin schließen. Der Grund: Gefährliches Sortiment.

          In der Geschichte der Weltrevolution hat der Berliner Spätkauf, liebevoll „Späti“ genannt, bislang keine große Rolle gespielt. Zwar widersetzen sich die kleinen Läden, die am Abend öffnen und am Morgen schließen, den üblichen Öffnungszeiten; aber das ist kein Akt des Widerstands, sondern vom Ordnungsamt genehmigt. Der „Späti“ vollbringt eine Dienstleitung an Menschen, die lange schlafen möchten oder denen zu spät einfällt, woran sie früher hätten denken sollen, und das sind in dieser Stadt einige.

          Er ist daher eher ein Zeichen fröhlicher Gemütlichkeit als verbissenen Klassenkampfes, was vielleicht erklärt, warum es gerade in Prenzlauer Berg so viele „Spätis“ gibt. Dass ausgerechnet diese einmal als Gefahr für die öffentliche Ordnung angesehen werden könnten, haben ihre Betreiber sicher nicht für möglich gehalten, bis sie vom Ordnungsamt vor Tagen eines Besseren belehrt und aufgefordert wurden, ihren Laden am 1. Mai dicht zu machen.

          Es bestünde, so hieß es, der Verdacht, dass sich an diesem Tag Randalier in den Läden Dosen und Flaschen kauften, um sie später auf die Polizei zu werfen. Diese Maßnahme wird dem innerstädtischen Frieden ganz sicher nützen und ist in Berlin inzwischen erprobt. So haben die Besitzer teurer Limousinen so bekannter Marken wie Volkswagen, Opel oder Fiat bereits gute Erfahrungen damit gemacht, ihre Autos nachts weit außerhalb des Stadtgebietes zu parken und nicht etwa direkt vor ihrer jeweiligen Haustür, wo die Gefahr besteht, dass sie von sogenannten Hassbrennern, angezündet und niedergebrannt werden. Auch die New Yorker Guggenheim Stiftung hat vor kurzem eingesehen, dass sie ihr Denklabor besser nicht auf einer Brache in Kreuzberg errichtet, wo es durch die dortigen Grillfreunde versehentlich beschädigt werden könnte.

          Freunde teuren Wohnens wissen schon seit Jahren, wie es ist, auf die höher gelegenen Dachgeschosse ausweichen zu müssen, um sich mit den Menschen auf der Straße nicht ins Gehege zu kommen. Wenn es in den vergangenen Jahren in Berlin dennoch zu Auseinandersetzungen zwischen den Schichten kam, lag das meistens daran, dass sie noch nicht sauber voneinander geschieden waren. Inzwischen zeigt die von Bürgern und Randalierern eingeübte Methode aber immer bessere Wirkung, so dass sich die Lage in der Stadt bald beruhigen sollte. Es ist eben alles eine Frage der Sortierung, oder, wie im Fall der „Spätis“, des Sortiments.

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