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Skifahren und Corona : Ischgl in Verbier

  • -Aktualisiert am

Spaß trotz Pandemie: In Verbier ist das möglich Bild: dpa

In der Schweiz wütet das Coronavirus, aber in Verbier fährt man fröhlich Ski – besonders Briten. Gaudi und Geschäft zählen mehr als Menschenleben.

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          Britische Ski-Enthusiasten lieben Verbier. Und weil ihre Liebe auf Gegenliebe stößt, scheint man in dem Schweizer Skiort, der den Spitznamen Klein-London im Wallis trägt, alles Erdenkliche zu tun, um die Gäste aus Großbritannien nicht zu vergraulen. Die Gaudi kennt keine Pandemie. Ein bisschen ärgerlich ist freilich, dass ausgerechnet in Großbritannien derzeit eine neue, wohl hochansteckende Variante des Coronavirus wütet. „Das mutierte Virus beunruhigt uns natürlich“, sagte Verbiers Tourismus-Chef Simon Wiget kürzlich in einem Interview. Falls diese Mutation problematisch sein sollte, ergreife man aber Maßnahmen. Offenbar ist Herrn Wiget entgangen, dass Corona bereits ohne die neueste Mutation recht problematisch ist. Die Intensivstationen der wirtschaftshörigen Schweiz sind zu mehr als neunzig Prozent belegt. Es droht die Triage. Erstaunt und entsetzt verfolgt man, wie das Land, das über eines der weltweit besten Gesundheitssysteme verfügt, an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Sehenden Auges.

          Corona-Angels geben Tipps

          Und in Verbier? Erinnern sogenannte Corona-Angels die Touristen freundlich daran, sich doch bitte an die Hygienevorschriften zu halten. Angesichts des Namens und der verbierschen Ignoranz würde man sich nicht wundern, trügen diese Engel wie jene des Dessous-Labels Victoria’s Secret Flügel. Doch nun, da sich europaweit die Reiselage zuspitzt, hat sich der Bundesrat zu einem Einreiseverbot für alle Ausländer aus Großbritannien und Südafrika durchgerungen. Seit Montag gilt zudem rückwirkend eine zehntägige Quarantänepflicht. Im Wallis müssen nun womöglich die Corona-Angels ran und dafür sorgen, dass sich die Gäste aus Großbritannien in Isolation begeben. Die Boulevardzeitung „Blick“ berichtet indes, die Nachricht habe sich noch gar nicht bis nach Verbier verbreitet. Offenbar reagierten die kontaktierten Hoteliers irritiert. Von den gestrichenen Flügen wussten sie zwar, aber eine Quarantänepflicht war ihnen neu. Eine Dame wird mit den Worten zitiert: „Wir haben verschiedene englische Gäste, bis jetzt sind sie aber immer noch unterwegs, am Skifahren oder im Dorf.“

          In der Schweiz hat man jedenfalls alle Hände voll zu tun, die etwa 10000 Briten, die seit dem 14.Dezember eingereist sind, aufzuspüren. Ob es die schweizerische Gründlichkeit, auf die einst Verlass war, richten wird, ist angesichts der bisherigen Pandemiebekämpfung fraglich. Auch in Verbier. Dort sind derzeit übrigens 57 von 82 Liften in Betrieb. Wie heißt es in dem Ski-Song von Wolfgang Ambros doch so verheißungsvoll: „Schifoan is des leiwaundste, wos ma si nur vurstelln kann.“ Wenn das mal kein Irrtum ist.

          Melanie Mühl
          Redakteurin im Feuilleton.

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