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Hohenzollern : Verbandspolitik

Die Mediävistin Eva Schlotheuber ist seit 2016 Vorsitzende des deutschen Historikerverbandes. Bild: dpa

Wer über Preußen forscht, gerät unter Druck der Hohenzollern. Die Vorsitzende des Historikerverbands bekommt es jetzt wegen eines Gastbeitrags in der F.A.Z. auch noch mit der verbandsinternen Opposition zu tun.

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          Vor zwei Jahren verabschiedeten die Mitglieder des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands in Münster eine „Resolution zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie“. Sie rief bei einigen Fachgenossen grundsätzlichen Protest hervor. Er wurde wissenschaftsethisch begründet: Für politische Parteinahme fehle dem Verband das Mandat. In diesem Sinne ließen sich die Historiker Peter Hoeres, Ronald Asch, Jörg Baberowski, Dominik Geppert, Andreas Rödder und Michael Wolffsohn vernehmen.

          Jetzt sieht sich Eva Schlotheuber, die Vorsitzende des Historikerverbandes, mit einem neuen Protest derselben Kollegen konfrontiert. Wie gestern berichtet, nehmen sie in einem von sechs weiteren Herren unterzeichneten Schreiben Anstoß an dem Artikel, den Schlotheuber am 9. September gemeinsam mit Eckart Conze in diesem Feuilleton zur Causa Hohenzollern publizierte. Dabei tat sie damit genau das, was die Kritiker der Resolution vom Verband verlangt hatten: Sie setzte sich für das einzige allen Historikern gemeinsame politische Interesse ein, das Interesse an der Freiheit der Wissenschaft.

          Der Dissens ist fingiert

          Historiker, die über Preußen forschen, sehen ihre Freiheit derzeit durch eine beispiellose Einschüchterungskampagne der vormals regierenden Familie gefährdet. Pro forma würdigt der Protestbrief das Anliegen von Schlotheuber und Conze, „das Wissenschaftssystem von juristischen Interventionen möglichst frei zu halten“. Aber die Briefschreiber liefern den Anwälten der Hohenzollern Munition, indem sie den Vorwurf erheben, dass mit den Feststellungen des Artikels zum Stand der Forschung „die offene Diskussion unterbunden werden soll“. Der Verband könne nicht „zugunsten zweier Gutachten Partei nehmen und diese Debatte für entschieden erklären“.

          Sowohl formal als auch in der Sache geht der Vorwurf in die Irre. Wer die Resolution gerügt hat, weil der Verband sich förmlich zu Fragen äußerte, für die er nicht zuständig ist, muss zur Kenntnis nehmen, dass Eva Schlotheuber ihre Meinung zum Preußenstreit nicht namens des Verbands kundgetan hat. Sie hat einen Konsens der Forschung beschrieben, nicht kraft Amtes, sondern mit der impliziten Aufforderung, nachzulesen und ihr gegebenenfalls zu widersprechen. Der Widerspruch ist ihr jetzt zugestellt worden, aber der Dissens, den der Brief behauptet, ist fingiert.

          Richtig bleibt: Die vier Gutachten beschreiben Handeln und Denkungsart des früheren Kronprinzen Wilhelm übereinstimmend. Gestritten wird nur darüber, ob das juristische Kriterium des „erheblichen Vorschubs“ erfüllt ist. Aber das ist eine juristische, keine geschichtswissenschaftliche Frage. Die Historikerschaft der Bundesrepublik war jahrzehntelang berüchtigt für zünftigen Zoff. Der konservative Bonner Historiker Konrad Repgen stellte die Frage, ob man diese Kontroversen als „Methoden- oder Richtungskämpfe“ ansehen solle. Seine Antwort: Methodisch war die Bielefelder Schule so neu nicht, den Unterschied machte die Richtung. Indem die Opposition im Verband wissenschaftlichen Streit erfindet, weckt sie den Verdacht, dass ihr Motiv ein politisches ist.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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