https://www.faz.net/-gqz-12naj
 

Vatikan und Kino : Ein Sakrileg?

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

In Rom wurde jetzt der neue Illuminaten-Kinofilm von Dan Brown vorgestellt. Der Vatikan hatte zwar Dreharbeiten an allen geweihten Orten untersagt, doch erschien zur Premiere der Chefredakteur des päpstlichen Hausorgans „Osservatore Romano“. Und der wartete mit einer ausgesucht coolen Missachtungs-Strategie auf.

          2 Min.

          Wenn Schweizergardisten nicht den Vatikan, sondern ein Großkino bewachen, und wenn sie nicht den Papst, sondern Hollywood-Schauspieler eskortieren, kann man sicher sein: Es sind nicht die echten. Die Weltpremiere von „Angels and Demons“, dem zweiten Film aus Dan Browns Illuminaten-Universum, konnte mit gestreiften Wachsoldaten nirgendwo anders stattfinden als in der Ewigen Stadt, in welcher das unfromme Werk ja auch spielt.

          Ganz weltlich fand die Vorführung im Musikpalast des „Auditoriums“ statt. Und weil der echte Vatikan prinzipiell keine Drehgenehmigungen für fiktionale Werke welcher Art auch immer erteilt, ist auf der Leinwand naturgemäß eine kalifornische Peterskirche aus Pappmaché zu sehen. Für Dan Browns Mix aus Esoterik, inzwischen etwas gemildertem Antiklerikalismus und Actionthriller verbat sich die katholische Kirche kategorisch jede weitere Störung geweihter Orte. Das bescherte den Bühnenbildnern in Amerika allerhand Arbeitsplätze, finden im Film doch in nicht weniger als vier römischen Kirchen papstverdächtige Kardinäle einen gewaltsamen Tod.

          Intellektuell nicht sehr prickelnd

          Weil aber sogar die echte Piazza Navona und das echte Pantheon kurz von außen zu sehen sind, hatte das handverlesene Publikum den Spaß, die Verschleifung von digitalisiertem und steinernem Rom auf seine Wirkung zu überprüfen. Doch trotz der Anwesenheit von Erzrömern wie Dante Ferretti und Lina Wertmüller hieß der wichtigste Ehrengast Giovanni Maria Vian. Als Chefredakteur des päpstlichen Hausorgans „Osservatore Romano“ musste er immerhin einem Papstmord, meuchelnden Kirchenfürsten sowie der versuchten Zerstörung der Peterskirche mittels Antimaterie beiwohnen.

          Doch der fromme Medienmann erwies sich als gut vorbereitet: „Angels und Demons“ sei als Buch wie als Film recht amüsant, wenn auch literarisch bei weitem nicht so qualitätvoll wie „Hadrian VII.“ von Baron Corvo oder „Die Verliese des Vatikans“ von André Gide. Während letzterer blasphemische Autor beim Publikum bekannt ist, spielte der belesene Vian mit seinem ersten Hinweis auf den phantastischen Papstroman des homosexuellen Briten Frederick Rolfe von 1904 an, den sehr viel weniger Menschen gelesen haben als Browns „Sakrileg“, nämlich so gut wie überhaupt niemand. Die Botschaft: Wir Papisten wissen heute besser als die Atheisten, wie effektvoll man den Vatikan zur finsteren Katakombe von Verschwörung und Giftmord ummodeln kann. Amerikanische Oberflächenästhetik, die über Rom massenhaft historische Missverständnisse verbreitet, mag ja unterhaltsam sein, intellektuell ist sie nicht sehr prickelnd. Man hat dazugelernt im Vatikan: Belustigte Missachtung wirkt cooler als ein Bannfluch. Und ist zudem für keinerlei Werbeeffekt gut.

          Weitere Themen

          Die Pest bekommt nur einen Stern

          Essays von John Green : Die Pest bekommt nur einen Stern

          Ein Autor erfolgreicher Jugendbücher wechselt das Genre: John Green durchquert in Essays das Anthropozän auf der Suche nach Hoffnungsspendern für das 21. Jahrhundert. Dabei macht er sonderbare Entdeckungen.

          Topmeldungen

          Auf Tour in Berlin: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet nach seinem Auftritt beim Tag der Deutschen Familienunternehmen

          Bundestagswahl 2021 : CDU will Betriebe steuerlich schonen

          Das Wahlprogramm der Union gewinnt erste Konturen mit einem Belastungsdeckel für Unternehmen. Offen ist, wie Mehrausgaben für Klima und Soziales zur Schuldenbremse passen.
          Eine Schulklasse im Ortsteil Britz in Berlin-Neukölln: Lehrer werden in der Hauptstadt seit 2004 nicht mehr verbeamtet.

          Keine Verbeamtung : Warum viele Lehrer Berlin verlassen

          Seit 2004 werden Lehrer in Berlin nicht mehr verbeamtet. Viele junge Lehrer suchen sich deshalb nach dem Studium einen anderen Arbeitsort. Jetzt schlagen die Schulleiter Alarm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.