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Vargas Llosa spielt Theater : Herzog Ugulino und die zwei Nonnen

Was macht er da mit dem Stab? Mario Vargas Llosa als Herzog Ugulino in „Die Geschichte der Pest“. Bild: AFP

Ein Theaterstück von Mario Vargas Llosa wird zur Zeit in Madrid aufgeführt. und der Maestro gibt sich selbst die Ehre.

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          Niemand würde behaupten, die letzten Romane von Mario Vargas Llosa seien das Wichtigste an seinem Werk. Aber es ist etwas anderes, wenn es sich der achtundsiebzigjährige Schriftsteller und Nobelpreisträger in den Kopf setzt, in Madrid Theater zu spielen. Das Stück, wen wundert’s, hat er sich gleich selbst geschrieben: „Die Geschichte von der Pest“ erzählt Szenen nach Boccaccios „Dekameron“ - über die Liebe, das Begehren, den Tod und die Freiheit der Fiktion. Das Übliche eben, nur im Jahr 1348. Es heißt, der Regisseur des Teatro Español, Joan Ollé, habe dem Autor das Werk kräftig kürzen wollen und auch der spanischen Schauspielerin und Freundin Aitana Sánchez-Gijón sei es viel zu lang gewesen. Doch Vargas Llosa habe das Stück „verteidigt wie eine Löwin“ oder so ähnlich.

          Es ist aber wirklich zu lang. Und in der ersten halben Stunde habe ich echt gelitten. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller - er verkörpert den „Herzog Ugulino“ - schreitet da im langen weißen Gewand über die Rundbühne und sieht vorwiegend gut aus. Sein Text ist korrekt, gebildet und sterbenslangweilig. Bis die Schauspieler ihn unterwandern, ihn mit Leben, Burleske und Albernheit füllen, die das gedruckte Wort nicht enthält. So wird der Abend gerettet. Die Namen dieser drei anderen, neben „Mario“ und „Aitana“, sollten hier genannt werden: Pedro Casablanc. Marta Poveda. Oscar de la Fuente. Echte Bühnentiere. Nicht nur, dass ihre Stimmen mühelos das ganze Theater füllen, während „Mario“ und „Aitana“ sich lieber akustisch verstärken lassen. Man lernt bei ihnen auch, wie wenig gute Schauspieler brauchen, um einen zu unterhalten. Was die versaute Geschichte von den beiden jungen Nonnen und dem taubstummen Gärtner (später auch mit geiler Äbtissin) betrifft: Ich will nichts mehr von der Verklemmtheit des Klerus und der Freiheit des Eros hören. Ist bekannt. Aber eine frivole Turnübung, die den Sex selbst aufs Korn nimmt, dafür bin ich immer zu haben.

          Das Publikum übrigens auch. Ein paar Meter weiter saß der spanische Kulturminister, daneben die Bürgermeisterin von Madrid, offiziell eher konservative Leute. Aber ich bin sicher, auch ihnen hat es Spaß gemacht, mal loszulassen. Nicht für das Stück gebührt dem Autor Respekt, sondern für den Mut, sich der drohenden und dann vermiedenen Lächerlichkeit auszusetzen. Bis Anfang März will der peruanische Nobelpreisträger jetzt fünfmal die Woche auf der Bühne stehen. Seine Frau ist leider nicht unter den Zuschauern. Aus Angst vor der möglichen Blamage ihres Mannes zog sie es vor, den Kontinent zu wechseln. Es gibt Kämpfe, die muss der Herzog Ugulino allein ausfechten.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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