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Urteil gegen „Bild“-Zeitung : Einseitig angerissen

Anreißer frei, Artikel kostenpflichtig: Im Axel-Springer-Haus werden 2013 Bezahlmodelle für die digitalen Angebote der „Bild“-Zeitung präsentiert. Bild: dpa

Das Landgericht Köln fällt ein Urteil gegen die „Bild“-Zeitung. Demnach gilt bei Online-Beiträgen, dass für den frei zugängliche Anreißer eines hinter einer Bezahlschranke veröffentlichten Artikels dieselben rechtlichen Spielregeln gelten wie für den Artikel selbst.

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          Für den Vorspann zu einem Online-Artikel gelten dieselben juristischen Spielregeln wie für den Artikel in Gänze – wenn dieser sich hinter einer Bezahlschranke verbirgt. Das ist die Folgerung, die aus einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Köln gegen die „Bild“-Zeitung gezogen werden kann.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Den Antrag auf die Verfügung hatte der ehemalige hessische Landtagsabgeordnete Daniel Mack gestellt. Über ihn hatte die Zeitung in ihrer Internet-Ausgabe „Bild Plus“ im Juli getitelt: „Grünen-Politiker soll Bahn-Ticket gefälscht haben.“ Die folgenden ersten Zeilen des Artikels führten aus, Mack sei „erwischt“ worden, und die Polizei ermittele – der Rest des Textes war nur für zahlende Leser zu sehen.

          Axel-Springer-Verlag legt Widerspruch ein

          Als Erstes hatte das „Bildblog“ diese Berichterstattung kritisiert. Mack selbst stellt den Vorfall, der Anlass für den Text der „Bild“ war, auf seiner Website völlig anders dar als die Zeitung. Sein Medienanwalt Ralf Höcker argumentierte vor Gericht, der Vorspann und die Langfassung des Textes in „Bild Plus“ ließen entlastende Umstände weg. Das Gericht verbot beide Textfassungen.

          Höcker sagte dieser Zeitung, damit habe zum ersten Mal ein Gericht anerkannt, dass ein Anreißer, der für sich allein im Netz stehe, „ausgewogen formuliert“ sein müsse, selbst wenn sein Inhalt im zahlungspflichtigen Angebot differenzierter dargestellt würde – was hier überdies nicht der Fall gewesen sei. Der Axel-Springer-Verlag hat Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt. Ein Verlagssprecher sagte dieser Zeitung, bei dem Artikel habe es sich um „saubere Verdachtsberichterstattung“ gehandelt.

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