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Urlaub 2.0 : Begeisterung aus zweiter Hand ist langweilig

Urlaubsdiaabend 2.0 – im sozialen Internet, dem Neidgenerator des modernen Urlaubers Bild: Andrea Diener

Das Internet prägt auch das Reisen. Viele Urlaube werden online gebucht. Warum aber tun sich die Leute nur so schwer, im Netz auch davon zu berichten? Wo bleiben die Reiseblogger?

          Wer jetzt immer noch im Büro sitzt, für den beginnt eine harte Zeit. Denn vor einigen Jahren noch kam der Kollege nur braun gebrannt aus dem Urlaub zurück, das war schon schlimm genug. Inzwischen haben alle immer ihre Smartphones dabei und fluten live sämtliche Internetkanäle: Ein Check-in auf Foursquare zeigt mir, welcher meiner Freunde sich gerade wo befindet, auf der Fotoplattform Instagram zeigen sie mir, was sie gerade essen. Auf Facebook folgt der ganze Rest inklusive Familienfotos. Die sozialen Medien fühlen sich oft an, als hinge man in einer Zeitschleife fest, in der immer Urlaubsdiaabend ist, nur ohne Käse-Igel.

          Fotos und Statusmeldungen sind ein ewiger Neidgenerator: Schau her, bei mir gibt es frische Garnelen mit Meerblick, bei dir in der Kantine nur Formfleisch mit Analogkäse. Schau her, es geht mir gut. Würde ich diese Leute nicht kennen - ihre Hotelzimmer und Meeressonnenuntergänge interessierten mich keinen Deut. Und ich weiß, dass diese Bilder für die, die sie ins Netz stellen, in der Regel wichtiger sind als für die, die sie sich anschauen. Wer zeigt sich nicht gern in exotischen Kulissen, alle Entspannungsgesten nachstellend, die die Darstellungstradition des Sommerfrischebildnisses in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht hat. Menschen am Strand, Menschen am Berg, Menschen in Horizontale mit Drink, Menschen vor besichtigenswerten Objekten, Menschen mit authentischen Einheimischen, immer freundlich lächelnd. Es sind meine Freunde, ich gönne es ihnen.

          Wo sich Menschen überall hinschicken

          Manchmal passiert es sogar, dass eine Reise durch den Austausch auf sozialen Netzwerken beeinflusst wird. Über Tage hinweg entspann sich einmal, während ich in Irland weilte, eine Facebook-Diskussion über trinkbaren örtlichen Whiskey. Ich saß mit dem iPhone im mit W-Lan ausgestatteten Pub und testete mich durch die Flaschen, während von Deutschland aus das Sortiment in Echtzeit von kompetenten Trinkern kommentiert wurde. Oder das kleine griechische, mit Kitsch vollgestopfte Diner in New York, in das mich eine Freundin schickte, weil es ihr Lieblingsdiner war und sie wissen wollte, ob es das noch gibt. Google Maps führte mich hin, es war sehr kurios und nett, ich aß etwas, unterhielt mich mit dem mexikanischen Kellner, machte ein Foto und damit die Freundin glücklich. Das ist ein Ort, den ich allein nie gefunden hätte. Ich hätte ihn nicht einmal gesucht.

          Kein Wunder, dass sich Reiseveranstalter seit einigen Jahren für die neuen Medien interessieren und dafür, wo sich Menschen gegenseitig hinschicken. Blogger werden zunehmend zu Touristikveranstaltungen oder Pressereisen eingeladen, weil die Branche den Anschluss an eine junge Generation nicht verpassen möchte, die sie in den Kommentarspalten von Blogs und in den sozialen Netzwerken wähnt und dort gern abholen möchte. Immer wieder heißt es, dort werde ehrlich und ungeschönt berichtet, von Freund zu Freund, so viel glaubhafter, da muss man ran, die muss man kriegen, die Schwarmintelligenz direkt abschöpfen. So die Theorie.

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