https://www.faz.net/-gqz-2mmj

Urheberschutz : Die Unverwechselbarkeit des Individuums steht auf dem Prüfstand

  • -Aktualisiert am

Hanser-Verleger Michael Krüger Bild: dpa

Stichwort „Urheberschutz“: Hanser-Verleger Michael Krüger warnt auf FAZ.NET vor weiterer Zerbröselung des Individuums.

          Die Thesen von Michael Giesecke, die er unter dem Titel „Von den Mythen der Buchkultur zu den Visionen der Informationsgesellschaft“ zusammengefasst hat, berühren so viele Fragekomplexe, dass eine breite Diskussion darüber wünschenswert wäre. Sie berühren sowohl unser Rechtssystem, das ausdrücklich die individuelle Leistung eines Autors schützt, wie auch unsere Vorstellungen vom Individuum, das nicht nur Text in einen typographischen Speicher eingibt.

          Dass an diesen abendländischen Vorstellungen schon lange gekratzt wird, ist uns seit Foucaults minutiösen Diskursanalysen bekannt. Die Zerbröselung des Individuums schreitet fort, seine Unverwechselbarkeit steht auf dem Prüfstand.

          Im 18. Jahrhundert entbrannte der Kampf um gültige Verlagsverträge

          Es mag richtig sein, dass sich die Grundlagen des modernen Urheberrechts im frühen 16. Jahrhundert herausgebildet haben, aber der eigentliche Kampf um die Rechte der Autoren fand erst im 18. Jahrhundert statt, als nicht zuletzt die deutschen Philosophen, von Fichte bis Kant, sich für gültige Verlagsverträge und rechtsverbind liche Absprachen einsetzten. Dieser Kampf ging von der bis heute unstrittigen Voraussetzung aus, dass - um bei der Literatur zu bleiben - der Autor eines Sprach kunstwerks allein über die Rechte an diesem Werk verfügen kann.

          Die Verfeinerung und Verbesserung des Urheberrechts hat dazu geführt, dass sogar der Titel eines Buches geschützt werden konnte. Es war also nicht möglich, dass ein Jahr nach Goethes „Wahlverwandtschaften“ ein anderer Autor einen Roman mit eben diesem Titel veröffentlichen konnte, es war aber wohl möglich, dass „Die neuen Wahlver wandtschaften“ das Licht der Welt erblickten, so wie es möglich war, einen Roman mit dem Titel „Der Mensch ohne Eigenschaften“ zu veröffentlichen.

          Da die Wörter gemeinfrei sind und sie jeder im Munde führen kann, kam es also darauf an, die besondere Zusammenstellung von gemeinfreien Worten zu schützen. Will heißen: „Otto Mops kotzt“ ist geschützt, wohingegen „Ottos Mops orgelt nicht unbedingt als ein Plagiat angesehen werden kann.

          Nach Diskussion in den 60er Jahren, Rückkehr zu alten Definitionen

          Schon in den 60er Jahren, als heftig über Eigentumsrechte diskutiert wurde, wurden Stimmen laut, die das Eigentumsrecht an bestimmten Zusammenstellungen von gemeinfreien Wörtern bezweifelten. Das Verschwinden des Autors war eine allerorten diskutierte Möglichkeit. Diese Konzeption hat sich nicht durchgesetzt, wir sind zu den alten Definitionen von Urheberschaft zurückgekehrt.

          Wenn jetzt das Internet die Möglichkeit bietet, dass ein anonymer Autor beliebige Textmengen verbreitet, ohne als Urheber in Erscheinung zu treten, dann unterhöhlt dies unsere Vorstellungen des Schriftstellers. Die Folgen einer Standardisierung dieses Vorgangs wären unabsehbar. Am Ende würden wir wahrscheinlich wieder auf eine zivilisatorische Stufe zurück fallen, wie sie in den frühen Gesellschaften üblich war, als ein Volk kollektiv für seine Mythen verantwortlich gemacht wurde.

          Ohne rechtliche Kontrolle wird der Schutz des Individuums verfallen

          Das hieße, dass der eigentliche Schöpfer eines Werkes nicht mehr der Autor wäre, sondern der Techniker, der die technischen Fazilitäten zur Verfügung stellt, einen Text zu verbreiten. Der Streit um Napster hat dieses Problem in aller Deutlichkeit kenntlich gemacht: nicht mehr die Musiker parti zipieren am Erfolg ihrer Komposition, sondern der schlaue Internet-Magier, der den Markt beherrscht.

          Die rechtlichen, philosophischen, psychologischen Probleme sind jetzt angedeutet. Nun kommt es darauf an, die Standpunkte zu klären. Wenn wir die Sache laufen lassen, ohne sie rechtlich zu kontrollieren, wird es in der Tat den Schutz des Individuums bald nicht mehr geben.

          Weitere Themen

          Türkiye demokrasisinin üvey evlatları: Kürtler

          İstanbul’dan mektuplar : Türkiye demokrasisinin üvey evlatları: Kürtler

          Ankara, daha seçilmelerinin üzerinden 5 ay bile geçmeden HDP’li 3 belediyeye neden kayyum atadı? Erdoğan, muhalefetin milliyetçi oylarını almak ve Kürtleri sandığa küstürerek muhalefet blokundan koparmak istiyor. Nihai hedef ise İstanbul seçimleriyle birlikte karşısında oluşan muhalefet blokunu, 2023 Saray seçimlerinden önce parçalamak.

          Topmeldungen

          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.