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Streit um fiktive Sprache : Mev! (dt.: Halt!)

Wem gehört die Kunstsprache? Ein Teilnehmer eines Klingonisch-Kurses büffelt Grammatik. Bild: dpa

Fiktive Sprachen aus Filmen und Roman gibt es viele. Eine bekanntere ist das Klingonische aus den „Star-Trek“-Filmen. 1984 eigens von einem Linguisten entwickelt, sorgt die Sprache heute für einen Urheberrechtsstreit.

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          Es gibt gewiss seltsamere Hobbys als das Erlernen von exotischen Sprachen. Und auch wenn es die Umstände nicht zulassen, jemals einen Sprachurlaub zu buchen, irgendwo einen Muttersprachler zu treffen oder eine Brieffreundschaft zu unterhalten, wird man das Erlernen des Klingonischen nicht von vornherein seltsam finden. Denn so wie jede Sprache etwas über diejenigen verrät, die sich ihrer bedienen, so ist auch dieses Idiom ein Mittel zum besseren Verständnis der Klingonen, jener Antagonisten der Menschen, auf die das Raumschiff Enterprise der Fernsehserie „Star Trek“ ebenso stößt wie später seine Nachfolger.

          Und man kann auch nicht behaupten, der Gegenstand wäre der Mühe nicht wert, weil er gar so unterkomplex sei: Nachdem in den frühen Begegnungen tatsächlich das Klingonische nicht besonders ausgefeilt war, schuf der Linguist Marc Okrand 1984 eine avancierte Version der Sprache, die später erweitert wurde und heute etwa dreitausend Worte umfasst, meist kurze, konsonantenreiche, die häufig Begriffe aus der Sphäre des Konflikts bezeichnen. Okrand aber tat dies im Auftrag der Gesellschaft, die für die „Star-Trek“-Filme verantwortlich zeichnet, und diese beansprucht daher auch die Rechte an der Sprache – wer also etwa ein Wörterbuch des Klingonischen herausbringen will, muss um Erlaubnis fragen. Oder gar einen Film, in dem die Sprache zu hören ist.

          Ebendies haben die Urheber des Films „Axanar“ vor, die dafür mehr als eine Million Dollar bei den Fans der Serie gesammelt haben. Das Studio will ihnen das verbieten und begründet seines Klage gegen das Vorhaben unter anderem eben mit dem Gebrauch des Klingonischen. Ob sie damit durchkommen, ist Ermessenssache. Man könnte dagegen immerhin einwenden, dass das Klingonische der Star-Trek-Sphäre eigentlich längst entwachsen sei. Es gibt mittlerweile ein eigenes Institut, das dieser Sprache gewidmet ist und das bei Zweifelsfällen angerufen werden kann. Es gibt längst Übersetzungen der Weltliteratur wie etwa „Hamlet“ oder „Gilgamesch“ ins Klingonische. Und es gibt eine Handvoll Menschen, die sich fließend darin unterhalten können. Ihnen das zu verbieten dürfte unmöglich sein. Die Frage ist, ob man sie dabei filmen darf.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

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